Storytelling – mit diesen vier Anhaltspunkten hängen dir deine Zuhörer an den Lippen

Du sitzt zitternd und stotternd im Vorstellungsgespräch. Du kriegst keinen geraden Satz heraus und liest im Grunde deinen Lebenslauf vor. Betreutes Lesen nennt man das. Das denkt der Personaler wohl auch, denn er unterdrückt nur mühsam ein Gähnen.

Wenn du dieses Horrorszenario nicht erleben willst, sondern das Bewerbungsgespräch klar für dich entscheiden willst, dann brauchst du ein paar Anhaltspunkte.

Anhaltspunkt 1 ist dein Wissen um deine Zielgruppe.

Was interessiert mein Gegenüber? Es ist immer wieder dieselbe Frage: Wem sage ich was in welchem Kontext, zu welchem Anlass und warum – zu welchem Zweck?

Ein Personaler wie im Beispiel des Bewerbungsgespräches kann selbst lesen und braucht keinen Vorleser. Ein Personaler will deine Geschichte hören. Will wissen, wie du von deinen Kenntnissen sprichst. Wie du deine Projekte zum Erfolg geführt hast, wer dir dabei geholfen hat, wie du im Team klarkommst und wie wertschätzend du zu deinen Kollegen oder auch deinen Mitarbeitern bist. Was du durch wen gelernt hast und wie du – ganz wichtige Fragen – mit Stress, mit Ärger, mit Unkenntnis und Schwierigkeiten umgehst.

Ein Mindmap kann dir hier helfen, deine Projekte und deine Kompetenzen sichtbar zu machen. Ganz automatisch wirst du anfangen, Linien zu ziehen. Du wirst denken: „Ach ja klar! Hier in diesem Arbeitsgang konnte ich auf meine neu erlernten Kenntnisse aus diesem Projekt zurückgreifen. Und hier haben wir sehr gut zusammengearbeitet, weil wir uns hier die Arbeitsschritte ganz besonders gut aufgeteilt hatten.“ Und so weiter. Das will ein Personaler hören, das ist spannend. Natürlich deine Conclusio daraus.

Dein persönliches Loblied, das auch kritische Töne hat.

Anhaltspunkt 2 sind die kurzen Sätze.

Subjekt, Verb, Objekt. Interessant wird deine Rede, ob nun in deiner Selbstdarstellung im Bewerbungsgespräch oder in der freien Rede eines Vortrags, wenn du Synonyme verwendest. Statt immer wieder das Verb „gehen“ zu wiederholen, bringen Verben wie „schreiten“, „rennen“, „laufen“, „schlendern“, „marschieren“ Farbe in deine Erzählung.

Anhaltspunkt 3 geht noch einen stolzen Schritt weiter,

nämlich zum ausschmückenden Adjektiv. WIE ist denn nun gegangen, geschritten oder marschiert worden? Vielleicht Stolz erhobenen Hauptes, erhaben, traurig oder gemessen. Vielleicht ist diese Wortwahl für einen formalen Akt wie das Bewerbungsgespräch zu bunt, aber sie bringt Farbe, Bilder und Leben in deine Erzählung. Man wird sich an genau diese Bilder erinnern. Bilder bleiben im Kopf.

Gestalte deine Sprache zielgruppengerecht Stichwort Grammatik. Darum geht’s im Anhaltspunkt 4. Dialekte oder regionale Einfärbungen wirken sich auch immer auf den Satzbau aus. Damit kann man den Vortrag sowohl auflockern als auch Nähe zeigen. Oder Distanz. Wenn ich im Norden ein paar Sätze auch rheinländisch oder auf schwäbisch sage, dann wird uns allen im Raum unsere eigene Heimat wieder bewusst. Wo lebe ich, wo komme ich ursprünglich her und wann war ich das letzte Mal in der Gegend, wo die Menschen so sprechen? Das sind die Fragen, die dann auf einmal durch den Raum ziehen und für gute, vielleicht sogar wehmütige Gedanken sorgen.

 

Bonustipps:

Um bunt im Ausdruck zu sprechen, fertige dir eine Liste von Synonymen für sowohl Verben als auch Substantive an und lies jede Woche eine Ballade oder ein Gedicht.


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