5272 Menschen passen in die Royal Albert Hall. Die Engländer lieben ihre Proms. Wir, die Junge Deutsche Philharmonie hatten volles Haus beim letzten Konzert der Saison. Die Royal Albert Hall ist der größte Konzertsaal, in den ich meine Töne blasen durfte. Als Mitglied der Horngruppe ist man im Gegensatz zu den Tuttischweinen an den Streicherpulten immer Solist. Daher hier

Meine Top 7 gegen Lampenfieber

Sprechende Menschen haben im Gegensatz zu klassisch musizierenden mehr Handlungsspielraum, formal im Besitz-Ergreifen der Bühne und inhaltlich im Jonglieren ihrer Rede-Versatzstücke.

Meine Top 5 beziehen sich vor allem auf die körpersprachlichen Aspekte des Hochstatus, da diese jederzeit während des Auftritts steuerbar sind – Inhalte müssen VORHER vorbereitet werden. Zwischen den Ohren sind die Augen und das Auge isst ja bekanntlich mit. Außerdem wirken die (im Folgenden aufgeführten) körpersprachlichen Insignien der Macht selbstsuggestiv. Sie suggerieren sich selbst Souveränität. Fake it until you make it bedeutet lese ich als Einladung das eigene bewusste Erschaffen von innerer und äußerer Größe.

  1. Weiteratmen statt Luft anhalten. Atmen Sie am besten in den Rücken. Ja, ich weiß, alle sprechen immer von Bauchatmung. Gemeint ist die Ausdehnung des Zwerchfells nach außen und unten. Extra den Bauch gewaltsam herausstülpen bringt Ihnen natürlich gar nichts, also vergessen Sie das Wort „Bauchatmung“. Sie aktivieren Ihre tiefe Atmung durch Gähnen, Lachen und
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Bildquelle: Jan Lingen

 

  1. Lächeln als Selbstsuggestion von innerer Vergnügtheit. Auf keinen Fall meine ich das entschuldigende Lächeln des angepassten Kind-Ich-Zustandes, das Harmlosigkeit zeigen soll: „Von mir geht keine Gefahr aus.“ Lachen und Lächeln stärkt Ihr Immunsystem, bringt Sie auf kreative Ideen und löst Serotonin aus. „Hier fühle ich mich wohl.“ Musiker lächeln nicht und suchen auch nicht den
  1. Nichts wünscht sich der Mensch mehr als wahrgenommen zu werden. Ob nun direkt durch anschauende Augen oder indirekt als – durch richtige Wort-und Themenwahl – angesprochene Zielgruppe. Ich erinnere mich noch gut an die sinkende Laune des gesamten Blechs, wenn der Dirigent stundenlang mit den Streichern probte oder uns dann, durften wir dann wieder mitspielen, keines Blickes würdigte. Nichts lässt Motivation schneller sinken als der Entzug von Aufmerksamkeit – nichts lässt Motivation, sogar Loyalität als Gefühl der Verbundenheit zuverlässiger wachsen als Zuwendung. Wie eben schon erwähnt ist die richtige, angemessene Ansprache entscheidend:

 

  1. Exzellente Vorbereitung in wenigstens einem Aspekt Ihres Vortrags. Ausnahmsweise muss eben dann das Pareto-Prinzip 20 -80 – kleiner Einsatz, große Wirkung – greifen. Keine Dauerlösung, Expertenstatus ist dem Dilettantismus immer vorzuziehen, aber manchmal schafft man einfach nicht das gesamte Pensum, das man sich vorgenommen hat. Der Tag hat eben nur 24 Stunden. Suboptimal. Dann muss das eben reichen. Holen Sie dennoch das Beste raus, seien Sie
  2. Offen für Fragen und
  3. halten Sie sich aufrecht. Denn wie das wirkt, brauche ich Ihnen, glaube ich, nicht vorzukauen. Unterstützen kann Sie in diesem Hochstatus
  4. Die Gorillatrommel regt die Thymusdrüse an. Diese sitzt hinter Ihrem Brustbein und ist durchaus nicht, wie landläufig behauptet wird, nur in unserer Wachstumsphase relevant, um das Immunsystem aufzubauen. Leichte bis härtere Schläge, ganz wie Sie mögen, geben Ihnen einerseits Ihr Körperstrukturgefühl zurück, bestehen wir doch auch aus einem klar organisierten Knochenaufbau und regen andererseits die T-Zellen Produktion an. Das alles führt zu mehr innerer Gelassenheit und die brauchen wir in der Videokonferenz ebenso wie im persönlichen, unangenehmen Gespräch und irgendwann, so Gott will, auch wieder vor einem zahlreichen Publikum in echt und Farbe.