Kennen Sie das? Man hat den Kopf voller Ideen, fängt die an, verfolgt sie, der Alltag schiebt sich zwischen die Zeiten der Begeisterung, der kreativen Denkarbeit. Die frische Energie beginnt zu welken. Am Ende des Tages hat man dann doch viel geschafft, aber das ganz große Projekt dämmert vor sich hin.

Zeitmanagement und Selbstmanagement sind die aktuellen Begriffe, dieser Plage Herr*in zu werden. Meine Empfehlung: Working out loud! Der Gründer von Working out loud John Stepper verfolgte das Ziel des gemeinsamen Arbeitens an den eigenen Zielen oder auch den gemeinsamen Unternehmenszielen mit einem herzlicheren und direkteren Draht zueinander. Alle Aufgaben kreisen um das Thema Wertschätzung und wie man sie zum Ausdruck bringt. Und das ist in der Tat arbeitsintensiver als gedacht.

Wir befinden uns in Woche 7 und haben bereits eine Unmenge Aufgaben erledigt. Die konstante Auseinandersetzung mit den eigenen Visionen und Zielen macht in diesem Arbeitskreis Spaß. Die Aufgabe dieser Woche war es, in 20 Minuten einen Brief an sich selbst zu schreiben aus der Zukunft. Diese und ähnliche Aufgaben erledigt man gemeinsam am Rechner. Die Moderatorin des Abends schaut auf die Uhr, die Mikrofone werden ausgestellt und jede beginnt mit der Wochenaufgabe. „Lass deine Träume wahr werden!“ war unser Motto des Briefes, den wir uns entgegen der Anweisung einander geschrieben haben. Hier nun der Brief meiner WOL-Kollegin an mich. Danke liebe S.!

 

Liebe Nerissa,

wo soll ich anfangen?
Eigentlich fing alles so harmlos an. Als ich damals vor über 1,5 Jahren in dem WOL Zirkel mein Ziel formulierte, habe ich nicht geahnt welchen wunderbaren Weg das Leben für mich vorbereitet hatte. Inzwischen habe ich bereits mein zweites Buch veröffentlicht. Nachdem mein Buch, „Rhetorik zum Nachmachen“ zum Verkaufsschlager wurde, haben sich viele Türen für mich geöffnet. Der Anfang war sicherlich schwer. Ich musste auf dem Weg so einiges einstecken, streichen und mich oft selbst motivieren. Aber meine Beharrlichkeit zahle sich schließlich aus. Du weißt ja, mein Ziel war es ins Fernsehen zu kommen. Ausgerechnet das Sat1 Frühstücksfernsehen sollte mein Sprungbrett in die Öffentlichkeit werden. Als das Thema Hass und Mobbing in den Medien thematisiert wurde und die Moderatoren selbst über ihre negativen Erfahrungen berichteten, habe ich einen Beitrag zum Thema erstellt und dabei aus meinem Buch zitiert. Durch die beharrlichen Kommentare und gezielte Wissensweitergabe, wie man sich gegen Hass und Mobbing erfolgreich zur Wehr setzen kann, wurde das Frühstücksfernsehen schließlich auf mich aufmerksam und lud mich zu einer Diskussionsrunde ein. Durch meine unkonventionelle und authentische Art habe ich perfekt in die Sendung gepasst und wurde ein fester Bestandteil des Teams. Wann immer meine Meinung gefragt war, oder man eine Expertin benötigte, war ich zur Stelle. Schnell konnte ich weitere interessante, lustige aber auch kritische Beiträge beisteuern. Außerdem habe ich eine Zeitschrift, „Die Rhetorik Torte“ rausgebracht und schreibe dort regelmäßig meine eigene Kolumne über das Leben. Ich habe gelernt, dass man sich selbst treu bleiben muss, die Arbeit im Fernsehen macht mir so viel Spaß, dass ich darüber nachdenke, eine eigene Sendereihe auf die Beine zu stellen, man muss sich doch wieder neue Ziele setzen im Leben, es gibt noch so viel was ich gerne in Angriff nehmen möchte.
Ich wünsche dir, meinem jüngeren Ich, dass auch du deine Ziele erreichst, gib niemals auf, lass dir von niemandem einreden, dass du etwas nicht erreichen kannst, denn wenn du es wirklich willst, dann kann alles wahr werden.

Deine Nerissa aus der Zukunft

Ein bisschen mehr auf dem Konto würde uns schon sehr helfen-und ein Unmensch ist der Chef auch nicht, der lässt schon mit sich reden. Mal gucken, was der sagt. Am besten gleich zu Anfang des Jahres.“

Und zwar im Rahmen des alljährlichen Mitarbeitergespräches.

Ein klug gewählter Zeitpunkt für eine Gehaltsverhandlung. Ebenso gut:

Nach einem erfolgreichen Projekt oder nach mehreren erfolgreichen Projekten. Emotionslos und sachlich sagen:

Das und das habe ich erfolgreich gemacht, das hat dem Unternehmen den und den Vorteil gebracht.
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Sie wollen für das kommende Jahr Ihr Gehalt neu verhandeln.

Wie steigen Sie ins Gespräch ein? Abhängig von der Firmenstruktur machten Sie entweder mit Ihrem Chef direkt oder mit seiner Sekretärin einen Termin aus.

Mitarbeiter: „Guten Tag Chef, sehr gerne möchte ich zum Beginn des neuen Jahres 2017 über eine Gehaltserhöhung sprechen. Vielen Dank für diesen Termin.“

Vorgesetzter: „Dann legen Sie mal los.

Sehr schön! Ihr Vorgesetzter gibt Ihnen die Gelegenheit, das Gespräch zu eröffnen, zu führen.
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„Jetzt mach dich mal hier nicht so breit!“ „Genau! Und red nicht so laut.“ 

„Und lach nicht so laut.“ 

„Bleib mal hübsch bescheiden.“ 

Bescheiden ist nicht hübsch. Bescheiden ist kontraproduktiv für die eigene Entfaltung. Aber genau darum geht es im Leben: Wer nimmt sich Raum und Zeit? Wer überzeugt die Kunden, die Kollegen, die Vorgesetzten, die Mitarbeiter von Ideen und Produkten? Derjenige, der sich bescheiden im Hintergrund hält? Oder der sich exponiert und damit ein Risiko eingeht? Neid muss man sich erarbeiten, Mitleid bekommt man geschenkt. Und genauso sieht auch der körperliche Gestus aus. Je höher die Position eines Menschen, desto geringer sein mimisches Ausdrucksspektrum. Die Mimik eines Machtmenschen ist so ruhig wie ein Pokerface. So unbewegt wie der Maschsee bei Windstille.

„Höhle der Löwen… da muss ich gerade dran denken.“

Es gehört schon einiges an Standing dazu, mit so einem Gesprächspartner gelassen umzugehen. Eine unbewegte Mimik und eine sparsame Gestik bedeuten ja nicht zwangsläufig Arroganz. Die Arroganz sagt: „Ich finde mich gut, dich aber nicht.“ Und automatisch zieht sich eine Augenbraue und ein Nasenflügel nach oben – Ekel und Verachtung. Das Selbstbewusstsein sagt: „Ich find mich gut, dich auch.“ Lächeln, Lachfalten – Augenringmuskeln kontrahieren beidseits.

 

 

„Nessi, was ist das denn für ein Thema? Verlegenheitsgesten – wozu soll das denn gut sein? Hä??“

„Matthias, was denkst du?“

„Ich? äähh.. ich weiss nicht…“

Wenn wir genau hinsehen, erkennen wir in Sekundenschnelle in Matthias Gesicht die schreckgeweiteten Augen und die hochgezogenen Augenbrauen – was muskulär muskulär EIN Vorgang ist, denn der Augenheber dient ja dazu, die Augen schnell und ruckhaft zu öffnen. Diesen Gesichtsausdruck kennen wir von der Überraschung und vom Schreck. Wobei sich nach den ersten Millisekunden erweisen muss, obs ein guter Schreck mit einer tollen Geburtstagsüberraschung ist oder ein schrecklicher Schreck mit Lebensgefahr. Häufig folgt nach Beurteilen der Situation bei Erleichterung der Griff ins Gesicht, an die Stirn oder das Streichen über den Kopf bis zum Nacken. Aber das ist nicht nur Erleichterung, sondern auch ein kleines bißchen Verlegenheit darüber, sich lächerlich gemacht zu haben. Die Situation war doch gar nicht so schlimm und man ist drauf reingefallen. Peinlich. Eine sehr berühmte Handhaltung ist die Beckerfaust. Sie zeigt auch Erleichterung – aber nicht nach einem Schreck, sondern nach einer grossen inneren Anspannung und einer hohen Konzentration. Die Beckerfaust ist das eindeutige Zeichen für Triumph, auch Triumph, sich selbst so gut unter Kontrolle gehalten zu haben. Die Hand, die das Gesicht berührt, deutet also auf Verlegenheit hin. Der Griff ans Ohrläppchen – bitte nicht INS Ohr – ist dafür typisch, das Streichen über den Kopf, das Befummeln der anderen Hand, das Drehen am Ring oder an der Armbanduhr.

Diese Selbstberührung dient der Selbstberuhigung, der Rückversicherung und der eigenen Erdung: „Bin ich noch da? Kann ich mich noch fühlen?“ Aber wie immer, wenn wir reden, redet auch der Körper nicht immer eindeutig. Die Hand vor dem Mund – die Denkerpose – oder das eben erwähnte Drehen am Ring kann auch bedeuten:

„Ich halte mich zurück und sage jetzt besser nicht, was ich denke.“