Martin Kind zu Besuch auf Nessis Sofa und Anca & Ossy spielten Alte Liebe! Die Spenden gingen an Ira Thorsting von Kleine Herzen e.V.

„Wann kommt Herr Kind?“ fragt der Fotograf, der fürs  Fahrgastfernsehen der üstra Bildmaterial liefert.

„Naja..es ist jetzt 10 vor sieben, also hoffentlich innerhalb der nächsten…“der Rest meines Satzes erübrigt sich, weil Martin Kind eben zur Tür hereinkommt. Auf leisen Sohlen. Ganz einfach so. Lächelnd und total unkompliziert. Und überpünktlich. Da habe ich schon ganz Anderes erlebt. LKA-Beamte, die eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung den Kleefelder Kaffeeklatsch nach verborgenen Schlupflöchern durchkämmten – alles sicher für Innenminister Pistorius? Ja, alles gut. Kein Terrorist unter der Spüle. Oder Stefan Schostok, der in einer Besprechung festsaß. Seine eilig heranrasende Limousine durchblitzt kurz mein inneres Auge, während ich Martin Kind die Hand schüttele. So einen schlichten, unaufgeregten Auftritt habe ich von Deutschlands erfolgreichsten Hörgeräteverkäufer nicht erwartet, nimmt mich aber sofort für ihn ein.

Marktführer für Hörgräte, Visionäre – gilt es doch, nun auch mit der neuen Technologie aus Israel den Optikermarkt zu erstürmen, Fußballpräsident, Tennisspieler, Skatspieler, Schweizer, Deutscher, Grossvater, stolzer Kneipenbesitzer und Träger der Niedersächsischen Landesmedaille… die Liste lässt sich noch verlängern.

„Das was Sie erreicht haben, reicht für 10 Leben, wie machen Sie das? Und haben Sie noch Träume?“

„Ach, das sehe ich nicht so. Ein Großteil unseres Erfolges beruht auf den Leistungen anderer. Ich habe großartige Mitarbeiter, die sich mit Fachexpertise um das operative Geschäft kümmern. Und ja ok, einen Traum habe ich – ich will 100 werden.“

„Träumen Sie nicht von Urlaub unter Palmen, vielleicht sogar auf einer eigenen Insel?“ „Nein, überhaupt nicht! Ich bin gerne unter Menschen und eine Insel wäre mir viel zu langweilig. Mein Tag beginnt früh und endet spät mit Arbeit. Das macht mir Spaß.“ Womit der millionenschwere Unternehmer auch gleich die Frage nach seiner Antriebsfeder beantortet hat. Er könnte ja auch einfach seinen wohlverdienten Ruhestand geniessen anstatt jeden Tag 10 – 12 Stunden zu arbeiten und sich obendrein von Presse und Fans beschimpfen zu lassen. Freude an der Arbeit und Sinnhaftigkeit im Tun sind die Maßstäbe, die sich Martin Kind selbst gesetzt hat und nach denen er sich ausrichtet.

„Kämpfe nie mit Leuten, die keine Chance haben.“ klingt arrogant, verstehe ich aber anders. Der Fußballpräsident meint meiner Ansicht diejenigen, die keine Chance des Einblicks in Vereinsstrukturen und Abstimmungsverfahren haben. Die gar nicht dabei sind. Die das Prozedere nicht kennen. Damit hält sich der öffentliche Kind die Anfeindungen vom Leib. Manch anderer würde ob all der Kritik handlungsunfähig werden. Martin Kind ist keiner, der schöne Worte für unschöne Dinge findet. Der anderen nach dem Mund redet. Er nennt die Dinge beim Namen. 1997 spielten die Hannover 96-Kicker in der Regionalliga und waren „ein Scheißverein.“ Aber Martin Kind ist ein Macher, der seine Visionen umsetzt. Er war derjenige, der Strukturen aufbaute und sowohl den Profifussball als auch den Breitensport auf gesunde Füße stellte. Das an der Eilenriede attraktiv gelegene Nachwuchsleistungszenturm soll durch Spielerverkauf das nötige Geld reinbringen und dem Spitzensport dauerhaft gutes Niveau ermöglichen. Ein Fußballspiel durchlebt Martin Kind leidenschaftlich. Ansonsten analysiert er sachlich und unsentimental. Für Gefühle wie Wut oder Angst hält der Geschäftsmann den Begriff „Reaktionsmuster“ bereit. Beneidenswerterweise besitzt Martin Kind die Fähigkeit, die Dinge des Tages hinter sich lassen zu können. „Wenn ich ins Bett gehe, vergesse ich alles. Wichtiges ist dann am nächsten Morgen wieder da und dann arbeite ich daran weiter.“ Ich kann nur für mich sprechen. Mich entschleunigt dieser Mann. Seine Unaufgeregtheit und seine Fachkenntnis vermitteln mir Sicherheit und Zuversicht. Man kann davon ausgehen, dass im Kind Unternehmen klare Regeln herrschen, aber man kann sich bei ihm auch ganz sicher frei entfalten und Ideen entwickeln.

So wie sein Sohn Alexander, dem der Spruch „Ich habe ein Kind im Ohr“ auf Anhieb gefiel. Kind erzählt, wie er sich mit Händen und Füssen gegen den Slogan gewehrt hat, bis er sich vielfach überstimmt sah und auf Vertrauen in den Instinkt der Menschen um ihn herum setzte. Wenn es um seine Mitarbeiter oder seine Familie geht, legt er jedes Wort auf die Goldwaage und nimmt sich Zeit für die treffendste Formulierung. Die Fragen, die ich ihm gestellt habe, arbeitet er ordentlich ab. Unaufgeregt, uneitel, höchst professionell, sachlich und anschaulich. Welche Antwort er mir wohl auf die Frage nach dem „einprägsamsten Erlebnis“ er mir wohl gegeben hätte? Vielleicht gibt er mir ja noch irgendwann einmal eine Antwort. Ich lasse Sie es wissen.