Redewendungen 2 spießig

Woher stammt eigentlich der Ausdruck-spießig?

Gerne behaupten wir von anderen:

„Die sind so spießig-Reihenhaus, Familie, Hund.“

Was meinen wir damit? Langeweile?

Ist spießig langweilig?

Und was ist langweilig an einem Haus über dem Kopf und eine Familie.

Wird nicht gerade heutzutage wieder vermehrt in die Immobilie investiert? Und was wäre die Alternative? Wie ein Nomade flexibel von Ort zu Ort ziehen? Ganz schön anstrengend.

Das wäre natürlich die Antwort auf die wirtschaftlichen Probleme zwischen erster und dritter Welt-denn nur die Sesshaftigkeit in den Ballungszentren führt ja zu Ausbeutung und Verarmung ganzer Völker.

Wäre also das Gegenteil eines Spießers ein Weltverbesserer?

Geistige Unbeweglichkeit wird dem Spießer zugenannt, das Gegenteil ist sowohl räumliche als auch geistige Flexibilität

Ok, wir kommen der Sache näher.

Personen, die eine Abneigung gegen Veränderungen der gewohnten Lebensumgebung hegen, gelten als spießig.

Dann gehöre ich auch dazu. Hannover ist die neunte Stadt, in der ich lebe, ich hab keine Lust mehr auf weitere Umzüge. Wem geht das ähnlich?

 

Städte gab es auch im Mittelalter. Das Leben war etwas rauher als heutzutage.

Da kam es schon mal vor, dass die Heimatstadt gegen plötzlich einfallende Ritterheere

verteidigt werden musste.

Wer das Geld hatte, bezahlte Söldner. Die Reichen wohnten, wie heute, im Speckgürtel der Stadt. Das waren die Pfahlbürger, die vor den Stadtmauern bei den Friedenspfählen

wohnten.

Alle anderen innerhalb der Stadtmauern mussten selbst zur billigen Waffe, dem Spieß greifen.

Die Bezeichnung „Spießbürger“ war früher durchaus positiv konnotiert, da der Dienst zur Verteidigung der Heimatstadt als Ehre angesehen wurde.

Offenbar sank dann das Ansehen, „vielleicht weil man zu den Spießbürgern nur die ärmsten und untauglichsten wählte, dagegen die Reicheren zu Pferde dienten“. Aus einer despektierlichen Bezeichnung für das Bürgertum war ein politischer Kampfbegriff gegen eine ganze Volksklasse geworden.

Arno Holz brachte 1886 seine Verachtung gegenüber dem Spießbürgertum auf den Punkt:

„Pst! Pst! sonst wackeln die Kronen,

Ihr Herrn Professoren, seid still!…

Und die fettigen Spießbürger loben

Die brave Polizei.“

Die fettigen Spießbürger-das sind sie wieder, die krassen Philister, deren zufriedener und bescheidener Lebensentwurf bereits den Studenten vor 200 Jahren so unattraktiv erschien.