Redewendungen Folge 9 Schlitzohr

Woher stammt eigentlich der Ausdruck-Schlitzohr?

„Da brat mir doch einer einen Storch!

Hat dieses Schlitzohr von Zimmermann mir tatsächlich den Balken schief gesetzt! Und ist auf und davon-das melde ich dem Zunftmeister!“

Im Mittelalter machte man mit Betrügern kurzen Prozess.

Ein kräftiger Ruck am Ohrring stigmatisierte seinen ehemaligen Träger als unehrenhaften Lügner und Betrüger.

Männer mit Ohrring waren Handwerker oder Seeleute.

Der wertvolle Ohrschmuck sollte garantieren, die letzte Reise auf Erden als guter Christ und Ehrenmann anzutreten-der Ohrring bezahlte die würdige Beerdigung.

Ehre galt im Mittelalter als das höchste Gut. Und wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.

Neuerliche Aufnahme in die Zunft gab es nicht.

Stattdessen musste er versuchen, als Söldner, Landstreicher oder gar Verbrecher über die Runden zu kommen.

Bunt übers Eck treiben ließ es mancherorts besonders gut, überall da:

Wo in Dörfern keine Gerichtsobrigkeit wohnhaft ist. Hier geht es bunt über Eck. Zwar liegt die heilsame Poizei-Ordnung im Amte oder bei den Gerichten, aber das ist eben das Unglück, dass sie zuweilen unter vielem Staube und verlegenen Papieren da liegt und nicht im Dorfe im Schwange geht und getrieben wird..

besagt eine Enzyklopädie aus dem Jahre 1793.

Verlegene Papiere gibt es in Hannover natürlich keine, nur selbstbewusste, deswegen treiben wir hier alles ganz geradeaus.