Was tun, wenn man undeutlich spricht? 4 Lösungswege

„Mein Mann verlässt mich, weil er mich nicht versteht.“ So tönte es aus meinem Telefon. Das klang tatsächlich beunruhigend.
„Wie das?“ fragte ich zurück. „Wenn wir im Auto sitzen und ich erzähle etwas und er kann mich nicht verstehen. Ich rede zu undeutlich, sagt er. Und dass ihn das unendlich nervt. Können Sie mir helfen?“
Von diesem Erlebnis und von der gemeinsamen Arbeit an der Lösung des Problems möchte ich dir heute berichten.
Was kann man tun, wenn man undeutlich spricht.

Lösungsweg 1 Projektion ist das Schlüsselwort

Hand aufs Herz: Willst du wirklich deine Zuhörer erreichen? Willst du wirklich erreichen und erweichen? Willst du gehört werden und willst du verstanden werden? Hast du selbst verstanden, was du weitergeben sollst und hast du selbst verstanden, warum gerade DU zu den Menschen sprechen sollst? Das nämlich sind die Gretchenfragen, auf die du eine Antwort suchen kannst. Überleg mal, was du mir antworten würdest, wenn ich dir diese Frage stellen würde.
Bestimmt würdest du folgendes sagen: „Ja, ich will gehört werden. Aber ganz ehrlich? Nicht immer. Nicht immer habe ich Lust, mich ins Kreuzfeuer zu stellen und Aussagen zu tätigen, hinter denen ich nicht stehe.“ Betriebsräte müssen das manchmal, Personalverantwortliche und Geschäftsführer.
Frage dich, wann du eigentlich gar nichts sagen willst aber musst, weil es nun mal deine Aufgabe ist. Vielleicht möchte auch meine Klientin einfach schweigen, denkt aber, sie müsse Konversation betreiben.
Wenn du hier unverständlich und undeutlich sprichst, ist nicht dein Sprechen das Problem, sondern der Kontext.

Lösungsweg 2 Ausdrucksstärke und Emotionen

Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln, sagt man.
Vielleicht hast du das Gefühl, dich lächerlich zu machen, wenn du deinen Emotionen Ausdruck verleihst. Vielleicht fühlt es sich für dich seltsam an, „Grimassen“ zu schneiden. Vielleicht war es in deinem Elternhaus einfach nicht üblich, sich groß zu freuen und deine Begeisterung offen mitzuteilen. Vielleicht wird in deinem beruflichen Kontext Sachlichkeit, Ruhe und Kompetenz sehr geschätzt und du hast dir deine Ausdrucksstärke einfach abgewöhnt im Laufe der Jahre.
Aus über 1000 Rhetorikseminaren kann ich dir folgende Erkenntnis mitgeben: Zuschauer freuen sich unmittelbar über gezeigte Emotionen.
Wir sprechen hier von Freude, Euphorie, Überraschung, vielleicht auch kontextbezogen Ärger (über ein Problem, das dann wunderbarerweise gelöst wurde), Erleichterung, Angst, Mut, Courage und so weiter.
Die Menschen hängen dir an den Lippen, wenn sie all diese Emotionen auf deinem Gesicht vorgemacht sehen können. Das ist die Kunst der Rhetorik. Ja – ein Manipulationsmittel, keine Frage, aber du hast ja wahrscheinlich die gute Absicht, deine Zuhörer wach und bei Laune zu halten, oder? Dann gibt es keine Ausreden mehr. Unterhalte sie, zeig deine Geschichte auf deinem Gesicht.

Lösungsweg 3 Raum und Zeit nehmen

Sprechen ist Gedanke auf Ausatem. Oder nicht? In deinem Kopf entsteht ein Gedanke. Du willst ihn mitteilen. Von ganz allein holst du Luft und sprichst ihn aus. Ohne Luftholen bewegt sich nur dein Gesicht. Sprechen ist Gedanke auf Ausatem.
Wenig Luft, wenig Klang. Viel Luft, viel Klang. Gibst du deinem Brustkorb wenig Raum zum Aufblühen, produzierst du wenig Klang. Gibst du deinem Brustkorb viel Raum zum Aufblühen, produzierst du viel Klang.
Das braucht Zeit. Flachatmen fällt dann flach. Sorry – Kalauer.
Denk bitte nicht so kompliziert mit aufrecht hinstellen und tief in den Bauch atmen. Das verwirrt dich vielleicht, ich jedenfalls kann diese Anweisungen nicht mehr hören.
Atmen und Sprechen braucht Zeit, wenn es groß, tragfähig, gewichtig und deutlich sein soll. Das diktiert uns die Physik und die Statik im Körper. Schnell und undeutlich sprechen erreichst du, wenn du dich klein machst, dich unwichtig fühlst und flach vor Angst atmest.
Vielleicht hast du dazu Grund, dann sollten wir vielleicht mal telefonieren.
Ansonsten nimm dir Raum und Zeit und wundere dich über deine neue Wirkung.

Lösungsweg 4 Geduld haben

Die Gedanken, die durch deinen Kopf wirbeln, verwirren dich vielleicht im entscheidenden Moment. In dem Moment nämlich, in dem du deine Aussagen tätigen möchtest. Kreative Stürme im Kopf lassen uns zwar sehr lebendig fühlen, aber machen uns auch das Leben, also das Sprechen schwer. Durch den Mund sollen bitteschön gefilterte, saubere Sätze kommen.
Nimm dir Zeit, hab Geduld, denke schnell und rede langsam. Und klopf dir hin und wieder auf die Schulter für deine Leistung.
Hab auch Geduld mit deinen Mitmenschen, die dir zuhören. Sie versuchen, deinen Gedankengängen zu folgen. Gib ihnen mit Pausen und Betonungen Gelegenheit, dir in Ruhe zu folgen.
So, das waren meine vier Blickwinkel auf das Thema Deutlich sprechen.

Zusammenfassung:

Was du tun kannst, um deutlicher zu sprechen, ist – neben all den Übungen, die in den Podcasts mit Theo Wurth finden kannst – folgende Frage für dich zu beantworten:
Wem sagst du was zu welchem Zweck und zu welchem Anlass.
Wenn du deine Zielgruppe, deinen Inhalt, deinen Wunsch an deine Zuhörer und die Umgebung, in der das alles stattfindet, hast du schon fast alles getan, um klar und deutlich verstanden zu werden. Wenn du Hilfe dabei brauchst, diese Parameter für deine Deutlichkeit zu klären, dann ruf mich gerne an.

Ich freue mich auf dich und wünsche dir eine deutlich wunderbare Zeit bis zur nächsten Folge. Das wird dann der KonfliktQuicktipp mit meinem Trainerkollegen Carsten Banse sein.