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Der Nebelwerfer

 Führt genau wie der Partisan aufs Glatteis.

Verhandlungstisch, Argumente fliegen hin und her. Irgendwann ist alles gesagt, eure Argumente waren stichhaltig. Eigentlich alles in Butter. Bis euer Gesprächs”partner” denkt:

“O nein! Kampflos verlasse ich nicht dieses Schlachtfeld. Ich werde vom Thema ablenken, plötzlich das Thema überhaupt ganz wechseln, erfinde Statistiken. Noch besser: ich fordere Gespräche mit Experten!”

Feel like a rock: Brückensatz und offene Frage: “Sehr interessante Fragestellung. Inwiefern ist dieser Fakt wichtig?”

Gerne auch entlarven: “Ich glaube, an dieser Stelle verwirren sich unsere Gedanken. Ich schlage eine Pause vor.”

Der Nebelwerfer ist genau wie der Partisan als Stresstest zu verstehen. Unfaire Techniken dienen dazu, berechtigte Minderwertigkeitskomplexe und Kompetenzmangel zu verdecken – Beispiel Trump.

Plumpe Drohungen…

 

“Bisher sind wir ja ganz gut mit Ihnen gefahren…!”

“Das meinen Sie nicht ernsthaft – besser nicht…”

 

…und Unterbrechungen und Störungen:

 

“Tschuldigung, wenn ich da mal einhake…”

Husten, leise pfeifen, auf Tischplatte trommeln, räuspern

“Moment – ich muss kurz diesen Anruf hier…ja? Ach Herr Meier!”

 

Antwortmöglichkeiten:

Papagei 1: “Ich werde Ihre Bemerkung einfach mal überhören.”

“Bisher sind wir ja ganz gut mit Ihnen gefahren…!”

“Ich werde Ihre Bemerkung einfach mal überhören.”

 

BESSER: Drohungen überhören. Zurück zum Thema. Ruhig bleiben. Weiteratmen.

 

Papagei 2: “Dazu fällt mir wirklich nichts mehr ein.”

“Moment – ich muss kurz diesen Anruf hier…ja? Ach Herr Meier!”

Papagei 2: “Dazu fällt mir wirklich nichts mehr ein.”

 

Papagei-Versatzstücke sind nicht so elegant wie das Entlarven der jeweiligen Technik und das konziliante Zurückkehren zum eigentlichen Thema:

“Moment – ich muss kurz diesen Anruf hier…ja?”

“Ich entschuldige nicht. Bitte erledigen Sie Ihre Anrufe nicht während MEINER Ausführungen-haben Sie das verstanden?”

 

Kompetenz und Souveränität erzählen sich vor allem durch das würdevolle Auftreten, das würdevolle, gemessene Sprechen, durch das Setzen von Pausen und die Blickfestigkeit.

Der Ton macht die Musik. Angriffe parieren und Schläge austeilen tun wir also am besten beim Ausatmen. Schreck verbergen – Gucken – einatmen – ausatmen – zutreten.

 

 

 

“Du kannst das! Du schaffst das!”, “Los, komm, noch ein bißchen schneller, höher, weiter! Optimier dich selbst!”, “Du musst nur an dich glauben!”

Wen nerven diese Worthülsen nicht? Brauchen wir das?

Naja…wir brauchen Menschen, die an unsere Leistungsfähigkeit glauben. Dann nehmen sie unsere Ängste und eröffnen den Blick auf das Wesentliche: Auf das Ziel.

“Ja, aber ich könnte scheitern und ich könnte versagen. Oder mich lächerlich machen.”

Das Wesentliche ist die Erreichung des Zieles. Jeden Tag aufs Neue trainieren, ohne Angst und Zweifel – nichts steht zwischen Start und Ziel – jeden Tag. Dazu braucht man innere Kraft und Motivation. Never give up. Es ist ok, Schritt für Schritt voranzukommen. Der erste Schritt ist getan. Anfang ist immer Scheisse. Änderung ist anstrengend und kostet Kraft. Schiere geistige und körperliche Kraft. Und es tut verdammt gut, wenn uns das jemand sagt. So oft wie wir zweifeln. Fakt: Änderung ist anstrengend

Manche Menschen wünschen sich, einen Raum zu betreten und sofort halten alle Anwesenden den Atem an. Aber was macht dieses charismatische Auftreten aus? Ist es das schöne Kleid, sind es die lackierten Fingernägel, der perfekte Haarschnitt? Vielleicht auch das.

Es ist vor allem eins: Das Tempo des Schreitens: Dienstboten rennen, der König lässt rennen. Wer das Bad der Blicke geniesst, wer auch Neid und Hass aushält und weglächelt, kennzeichnet sich selbst als König, als Königin.

“Das kriege ich nie hin.”

“Doch, kriegst du. Das können wir trainieren. In jedem Menschen steckt ein Narziß.”

“Aber ist das charismatisch?”

Auf jeden Fall! Charisma wird als Wirkungsphänomen wahrgenommen. Es geht um die Wirkung verbaler und nonverbaler Botschaften. Für diese zuständig ist klassischerweise die Rhetorik. Auch der Demagoge – der Volksverhetzer, der Mitreisser, der Manipulator trainiert sich in Wort und Wirkung. Charisma bedeutet wörtlich im Altgriechischen zwar Gnadengabe, ist aber erlernbar, trainierbar. Jeder kann lernen, wie man einen Raum betritt, wie man sich geschickt vor der Kamera postiert, wie man eloquent redet, wie man unnervös, gelassen erscheint. Aber wirklich charismatische Menschen wie Mutter Theresa, Mahatma Gandhi, Nelson Mandela schauen nicht auf sich selbst.

Wirkliches Charisma ist der Spiegel des Glücks in den Augen des Gegenübers.

Manche Kollegen machen es einem nicht leicht.

Da gibt es die Gartenzwerge, die Dauernörgler, die fiesen Intriganten, die Faulpelze, die Neidischen, die Besserwisser und so weiter. Sie alle handeln in guter Absicht. Nicht immer sehen wir die gute Absicht und schon gar nicht auf den ersten Blick und schon doppelt nicht, wenn wir als Konfliktpartner involviert sind. Klar können wir uns ärgern und lästern – ändern damit aber nichts am eigentlichen Konflikt. Schauen wir uns in Ruhe die dahinterliegende gute Absicht eines Besserwissers an. Der Besserwisser weiss vielleicht tatsächlich sehr viel, liest sich Fachwissen an, wägt verschiedene Fachmeinungen gegeneinander ab.

Wer sich in der Welt der Fakten aufhält, der muss nicht zwangsläufig über Sozialkompetenz und angemessenen Umgangston verfügen. Da kann ein Widerspruch in der Sache schon mal wie ein lehrerhaftes Abkanzeln rüberkommen. Klar kann man dem Besserwisser den Spiegel vorhalten, z. B. so: „Jetzt sind Sie schon das zweite Mal falsch gelegen …“.

Der Ton macht die Musik und wenn ich

„Jetzt sind Sie schon das zweite Mal falsch gelegen …“ gehässig sage, geht es mir ja wohl eher um einen Gesichtsverlust als um eine faire Diskussion. Vielleicht wünscht sich ein Besserwisser ja sogar eine faire Diskussion? Käme auf einen Versuch an.

Kritik am störenden Verhalten zu äussern, erfordert im Gegensatz zum einfachen Zurückballern Fingerspitzengefühl und Streitfähigkeit. Kritik auszusprechen fällt umso leichter, je mehr wir das Gegenüber respektieren. Und wenn es uns gelingt, eine anderslautende Meinung wirklich zu respektieren, leisten wir einen echten Beitrag zum Weltfrieden.

Helfen kann uns dabei der Perspektivwechsel.

Perspektivwechsel ist der Königsweg im Umgang mit all unseren täglichen Ärgernissen. Neubetrachtung. Das klingt erst mal völlig unsexy.

In jedem guten Witz steckt diese Technik der Neubetrachtung, der Umdeutung, des Perspektivwechsel:

Winston Churchill war einmal zum Tee bei einer englischen Lady eingeladen, trotzdem sich die beiden spinnefeind waren.

Irgendwann kochten die Gemüter über und sie sagte zu ihm: „Wenn ich mit Ihnen verheiratet wäre, würde ich Ihren Tee vergiften!“

Churchill antwortete: „Und wenn ich mit Ihnen verheiratet wäre, würde ich ihn trinken!“