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Das Bestreiten der Sachkompetenz…

“Das glauben Sie ja wohl selbst nicht, was Sie da sagen!”

“Sie wissen überhaupt nicht, wovon Sie sprechen.”

“Sind Sie Experte, oder wie darf ich mir das vorstellen?”

…und der Frontalangriff:

“Sie erzählen unglaublich viel Mist.”

“Das ist doch totaler Blödsinn.”

“Sie wissen es einfach nicht besser, oder?”

 

Antwortmöglichkeiten: Papagei 1: “Sie kennen sich aus.”

“Das glauben Sie ja wohl selbst nicht, was Sie da sagen!”

“Sie kennen sich aus.”

 

Papagei 2: “Ich habe damit kein Problem”

“Sie würden nicht einmal in der Baumschule genommen werden!”

“Ich habe damit kein Problem”

Papagei-Versatzstücke sind nicht so elegant wie das Entlarven der jeweiligen Technik und das konziliante Zurückkehren zum eigentlichen Thema:

“Das glauben Sie ja wohl selbst nicht, was Sie da sagen!”

“Ihre Frage scheint auf meine Sachkompetenz abzuzielen. Wenn wir aber die Sache betrachten, sehen wir, dass…”

Kompetenz und Souveränität erzählen sich vor allem durch das würdevolle Auftreten, das würdevolle, gemessene Sprechen, durch das Setzen von Pausen und die Blickfestigkeit. Der Ton macht die Musik. Angriffe parieren und Schläge austeilen tun wir also am besten beim Ausatmen. Schreck verbergen – Gucken – einatmen – ausatmen – zutreten.

 

 

Wer das Pech hat, in einem Betrieb mit einer echten Unkultur zu arbeiten, wird es irgendwann selbst erleben: Mobbing. Denn es trifft jeden. Von der cleaning woman bis zur oberen Führungsriege. Mobbing hat nichts mit echter Kritik am eigenen Arbeitsverhalten zu tun, sondern richtet sich ganz willkürlich an jeden, der den Intriganten in die Quere kommt. Hannovers erste Anlaufstelle in Sachen Mobbing ist Beate von Eisenhart. Sie rät:

Schaut euch die Machtverhältnisse innerhalb der Struktur an. Mobbing ist ein Spiel, das der Betroffene wohl oder übel mitspielt. 

Baut ein soziales Netzwerk innerhalb des Betriebes auf.

Besorgt euch ein ärztliches Gutachten.

Sucht einen fähigen Anwalt für Arbeitsschutz.

Hilfe kann auch darin bestehen, hocherhobenen Hauptes zu Vordertür hinauszugehen. Keine Angst vor Kündigung. Denn Kollegen, die im betrieblichen Klima der Entwertungskultur so richtig aufblühen, gönnt man den verpesteten Lebensraum, für mich selbst aber beanspruche ich ein anderes Verhältnis zum Mitmenschen. Entwertungstendenz entsteht immer aus einem extrem niedrigen Selbstwertgefühl heraus. Das Gegenteil von Selbstwert ist Minderwertigkeit. Unerträglich. Für diejenigen, die mit ihrem Minderwertigkeitsgefühl leben müssen. Wir bleiben entscheidungsfähig und aufmerksam: “Was hier passiert, ist nicht ok. Ich bin nicht verrückt. Das könnte Mobbing sein. Ich hole mir Hilfe, sobald ich sie brauche. Ich bin wachsam. Ich vertraue meiner Wahrnehmung.”

Wendet euch an die Telefonseelsorge, Profis beim Evangelischen Beratungszentrum Oskar-Winter-Strasse oder an Hannovers erste Adresse in der List Beate von Eisenhart.

 

“Kind, schling nicht so hastig. Und die Ellenbogen gehören auf den Tisch! Führ die Gabel zum Mund, nicht umgekehrt.” Mit diesen Befehlen sind wir gross geworden. Das hat genervt und genützt. Denn wer schlingt, bewegt sich hastig – kein Zeichen von Macht, sondern von Unterwürfigkeit. Wer die Ellenbogen eng an den Oberkörper presst, nimmt wenig Raum ein – kein Zeichen von Macht, sondern von Unterwürfigkeit. Und wer den Kopf viel bewegt anstatt ihn ruhig zu halten, zeigt zumindest körpersprachlich auch mehr von einem Dienstboten als von einem König.

Je langsamer der Körper sich bewegt, umso mächtiger der Mensch. 

Je raumgreifender die Gesten, umso höher der soziale Status.

Das geht auch im Sitzen. Man streckt sich oder drapiert einen Arm auf die Lehne des Nachbarstuhls. Mächtige Menschen zeigen wenig Anzeichen von Stress – keine Beruhigungsgesten, kein Kratzen im Gesicht, kein Drehen am Ring – der Körper bleibt gelassen. Übrigens ein guter Merksatz für die nächste Schlagfertigkeitsattacke: Schnelles Zurückbeissen, auch verbal, hat was von einem beleidigten Terrier. Cool ist einfach cooler.

“Ich kann also an den Händen erkennen, wer im Saal die Macht hat und wer nicht?” 

Ja. Zumindest, wer sich mächtig fühlt. Sind im Saal nur Vorstandschefs und Führungskräfte ein und derselben Firma, sieht man nach kurzer Zeit, wer die Hosen anhat und wer vielleicht nicht so dick auftragen sollte, wenn er seinen Job noch behalten will. Denn Dominanzsignale werden von allen Menschen wahrgenommen. Wie kommt das? Der Mensch ist und bleibt ein Neandertaler. Fast 2 Millionen Jahre stecken in unseren Genen. Die 1200 Jahre deutsche Sprache sind doch ein Witz dagegen, oder?

“Chef! Von der Messe bringe ich interessante Ideen mit! Wir sollten dieses neue IT-System der Firma XY unbedingt übernehmen, um dem Markt der Zukunft gewachsen zu sein!”

Darüber gibt es doch noch gar keine Erfahrungswerte! Nein. Wir investieren nicht in irgendein zufälliges Luftprodukt.”

“Aber ich habe es mir angesehen…”

“Herr Meier! Ich will Zahlen! Keine Begeisterung! Und kommen Sie das nächste Mal pünktlich!!”

Was nervt uns am pedantischen Chef?

Der Pedant braucht festgelegte Abläufe wie die Luft zum Atmen.

Ordnungsliebe hin oder her – zwanghaftes Festhalten an Regeln und Prinzipienreiterei führen ein Unternehmen nicht zum Erfolg. Pedanten sind übervorsichtig, geizig, kontrollsüchtig und unflexibel. Super! Für die Steuererklärung!

Wie spricht der Strukturierte?

“Das haben wir schon immer so gemacht.”

“Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder das macht, was er will!”

“Pünktlichkeit, Disziplin!”

Welche Antworten hasst er?

Jegliche Konjunktive-könnte, würde, hätte

Was würde dem Pedanten gut tun?

Raus aus dem ewigen Trott und mal etwas ganz Verrücktes machen-zum Beispiel in ein underground Konzert gehen. Wer jeden Tag die gleichen Wege geht, erlebt nichts Neues. Tolle Ideen entstehen nur, wenn man der Möglichkeit, dem Durcheinander bewusst Raum gibt. Wilhelm Röntgen entdeckte die Strahlen nur durch Zufall. Führung bedeutet Raum geben- den Mitarbeitern ein gewisses Maß an Freiheit und Eigenverantwortlichkeit anvertrauen.

Was gefällt uns am Strukturierten?

Auch in emotionalen Auseinandersetzungen bleibt der Pedant gelassen, da ausschliesslich Fakten zählen. Sachlichkeit kann angespannte Situationen sehr beruhigen. Pedantische Menschen sind ausdauernd, fleißig, konsequent, planvoll und verantwortungsbewusst. Man kann auf sie bauen. Eigentlich ein dufter Typ! Wäre er halt nicht der Chef.

Wie bleiben Sie bei diesem Chef gesund?

Das ist Ihre Entscheidung-sind Sie Teil des Problems oder sind Sie Teil der Lösung?

Handlungsfähig jedenfalls macht uns der wertschätzende Blick auf Stärken:

Also:

Was kann der Pedant?

Den Überblick behalten und Details geduldig planen. Sein hohes Maß an Sachlichkeit lässt ihn auch unübersichtliche Situationen unaufgeregt analysieren.

Was kann er nicht?

Neue Wege beschreiten und innovative Gedanken ertragen.

Also: Tun Sie das für ihn!

“Chef, auf der Messe habe ich ein sehr vielversprechendes neues Produkt entdeckt. Ich habe da mal recherchiert – bereits drei japanische Firmen haben auf diese software umgestellt und in den ersten drei Monaten ihre Effizienz um ca. 30% gesteigert.”

“Das klingt interessant.”

“Ja, die Zahlen, Daten, Fakten sprechen für sich. Die Vorteile für uns liegen klar auf der Hand.”

” Herr Meier, das gefällt mir-ich sehe, wir verstehen uns.”

Dieses Glück wird uns in Diskussionen eher selten zuteil. Trotzdem lohnt sich der Blick hinter die Fassade, um herauszufinden, worum es EIGENTLICH geht.
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