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Die Stegreif-Rede – woher kommt der Begriff?

Sie wurde ursprünglich nicht aus dem Ärmel geschüttelt, sondern in den Steigbügeln stehend vorgetragen.

Und was wurde da vorgetragen? Markige Befehle, taktische Kampfanweisungen des Oberst der Kavallerie-cavallo-italienisch, caballus – lateinisch für Pferd – an seine Kampftruppen.

Um Überblick zu gewinnen, musste der Heeresführer sich in die Steigbügel stellen.

Mitten im Kampf schwingt man dann keine langen Reden mehr, wobei die Idee, den Gegner tot zu quatschen anstatt tot zu schiessen ja was hat…

Der Dreisatz oder die Struktur der Stegreif-Rede:

 Zeitlicher Dreisatz: Gestern-Was war? Heute-Was ist? Morgen-Was soll sein?

Dialektischer Dreisatz: Erste Meinung/Zweite Meinung/ Schlussfolgerung

 Argumentativer Dreisatz: Ist-Zustand/Soll-Zustand/Wie kommt man dahin?

„Liebe Anwesende, wie schön, dass Sie hier sind und wir gemeinsam einen Grund zum Feiern haben.

Anlass ist, wie wir alle wissen, die Eröffnung unserer dritten Filiale.

Noch gestern haben wir hier eingerichtet und geschuftet bis tief in die Nacht. Es hat sich gelohnt! Heute sehen Sie das Ergebnis und ich bin sehr stolz auf meine Kollegen und auf mich auch-haha. Blicken wir mit Energie in die Zukunft! Auf eine schöne Feier! Prost!“

Das war doch leicht, oder?

Laden Sie hier den Meilenstein als pdf herunter

Zuhörer beglücken

Rote Zuhörer wollen Schnelligkeit, Dynamik, Überblick, Überschriften.

Grüne Zuhörer wollen den menschlichen Faktor. Anekdoten, Zitate, emotional starke Redner machen diesen Zuhörertyp glücklich.

Blaue Zuhörer wollen Fakten.

Wie beglücken Sie Ihr Publikum noch?

Indem Sie jeden Einzelnen wahrnehmen, das wäre der Knaller. Binden Sie sie ein, lassen Sie Frage zu, lassen Sie sie etwas machen. Nicht nur beschallen.

In einfachen Sätzen sprechen statt Schachtelsätzen. Am besten in Bildern. Ein Bild sagt mehr als 1000 Wörter. Schauen Sie hin. Blickkontakt. Stellen Sie Praxisbezüge zum Alltag her, seien Sie relevant. Und! Seien Sie witzig, nehmen Sie sich an Beispiel an Stephen Colbert.

„Meine Güte, dieses Fest erinnert mich ein bißchen an ein Kinderfest. Wann habe ich zum letzten Mal ein Spiel wie Eierlaufen machen müssen!“

Glasperle 1: Ein Wort aufnehmen und eine neue Geschichte daraus machen. Gib dabei ein bisschen von dir preis:

„Ja, das ist auch bei mir lange her. Eierlaufen haben wir auf dem Geburtstag meines Sohnes letzte Woche gespielt.“

Glasperle 2: Ein Wort aufnehmen und eine neue Geschichte daraus machen. Gib dabei ein bisschen von dir preis: „Ein Geburtstagsfest im Sommer! Wie schön! Wie alt ist er geworden?“

„5. Eigentlich wollte er lieber Fussball spielen, aber das wollte meine Frau nicht.“

Glasperle 3: „Jaja, die Frauen..“

Bei alledem ist es völlig unwichtig, ob wir das einander sagen oder nicht. Wir gewinnen auf der Informationseben nichts. Auf der Sachebene schon-denn wir sind gerade dabei, herauszufinden, ob diese Person für mich interessante Impulse bringt.

Ob die Chemie stimmt, finden wir im Laufe des Gespräches heraus. Darum geht es aber nicht. Es geht darum, einander in Würde und Respekt zu begegnen und auch wieder auseinander gehen zu können. Auf jeden Fall übt das kleine Gespräch, der Smalltalk unsere Sozialkompetenz.

„Es geht um die Kunst der Wertschätzung“, sagt Kommunikationsexpertin

Dr. Mechthild Klotz. In ihrer Praxis in der List unterrichtet sie die Kunst des interessierten Nichts, das so viele Türen öffnen kann.

Nichts ist ja nicht buchstäblich nichts, sondern ein bisschen ist eben DOCH da.

Ein Hauch von Nichts. Sehr teuer, sehr exklusiv, sehr kostbar.

Mechthild Klotz sagt, es geht um das Interesse am anderen, an etwas Neuem, das ich noch gar nicht weiss, an dem, was uns möglicherweise gemeinsam ist und an dem, was uns total voneinander unterscheidet.

Smalltalk ist Schwerstarbeit.

Angreifer lächelnd ins Leere laufen lassen

Bekommen Sie Schnappatmung bei Unverschämtheiten? Ereilt Sie der Blackout bei unfairen Angriffen?Das ist nicht verwunderlich, wenn Sie bedenken, dass Sie eben noch mit großer Fachkenntnis eine sauber ausgearbeitete Präsentation vortragen. Sie gehen zurecht davon aus, dass jeder in der Zuhörerschaft Anwesende interessiert sei an Ihrer Expertise und am Gelingen des gemeinsamen Projektes. Es geht um die gemeinsame Sache.

Dachten Sie.

Bis der Satz „Nirgends in Ihren Ausführungen taucht hier die Umsatzzahl der Firma XY, unserem größten Mitbewerber auf. Interessiert Sie das nicht oder WAS? Was wissen Sie überhaupt?“ kam.

Die Präsentation läuft aus dem Ruder, damit haben Sie nicht gerechnet. Da Kommunikation immer auch Ausdruck von Macht, Machtergreifung ebenso wie Machterhalt ist, müssen wir immer mit dem Schlimmsten rechnen. Der Mensch ist nicht per se gut, nur manchmal. Im Gegensatz zum intellektuellen Austausch, findet Machtkampf auf der Beziehungsebene mit einem ganz anderen Vokabular statt. Sollten wir in der Sache differieren, uns aber wertschätzend und respektvoll streiten, austauschen, diskutieren, können wir einander danach immer noch in die Augen schauen und uns eingestehen, dass wir einfach verschiedener Auffassung sind. In der schwarzen Rhetorik geht es darum nicht. Wir merken es am unfairen Angriff unter die Gürtellinie, am Grad der Unverschämtheit, an der Wortwahl und am Ton.

Je unverschämter der Anwurf, umso grösser der Machtanspruch.

Die 5 – L – Methode ist nur eine Erste-Hilfe-Medizin, mit der Sie auf die Hierarchie im Tagungsraum sehr großen Einfluss nehmen, weil Sie den Angreifer bloßstellen. Unter Umständen verzeiht er oder sie Ihnen das nicht und Sie müssen sich im Nachhinein verantworten und weitere Kämpfe aushandeln.

Daher habe ich eine softe Version, eine harte Version und eine Premiumversion entwickelt, für elegantes Ausweichen, wenig und viel Konfrontation.

Unfaire Angriffe muss man erstmal erkennen! Schauen Sie in den anderen Tipps hier auf dieser Seite nach!

Denn gekonnte Angreifer zielen auf die Erschütterung Ihrer Sicherheit ab und das mit den gespitzten Pfeilen der schwarzen Rhetorik. Wer oder was steht Ihnen bei einem Angriff zur Seite? Wer zieht Sie aus dem Verbalschlamassel wieder heraus? Sie sich selbst und

  1. Ihre Fachkompetenz. Der Angriff zielt ausschließlich auf IHRE Verunsicherung. Ihre Fachkompetenz wird nur angezweifelt um SIE verzweifeln zu lassen.
    2. Ihr Anliegen. Geht es Ihnen um die Klärung einer Sachlage? Sind Sie Win-Win orientiert? Diese kooperative Haltung steht Ihnen sehr gut zu Gesicht.
    3. Und die 5 – L – Methode:

Lächelnd ins Leere laufen lassen:

  1. Atem lenken
  2. Den Angreifer loben (Gute Idee, Spannender Ansatz, Origineller Gedanke)
  3. Lächeln, ob über die Sache oder mokant über den Angreifer ist eine Frage der notwendigen Arroganz
  4. Den Angriff entlarven (Kleine Killerphrase, nicht wahr? Frontaler Angriff, auch spannend)
  5. Weiterlabern

Die softe Version besteht aus

  1. Atem lenken
  2. Lob
  3. und weiter labern

Verzeihen Sie mir den schnoddrigen Ausdruck des Laberns. Ich denke, wir wissen alle, was damit gemeint ist. Sie sprechen bitte pointiert, witzig und einprägsam und natürlich alles andere als langweilig.

 

Die harte Version besteht aus

  1. Atem lenken
  2. Lob aber mit einem mokanten, arroganten
  3. Lächeln, sodass Ihr Lob einen ironischen Anstrich bekommt. Gerne sprechen Sie den Angreifer mit seinem Namen an.
  4. Weiter labern

 

Die Premiumversion kann alles und ist geeignet für den versierten Rhetoriker, der sich nicht so schnell aufs Glatteis führen lässt.

  1. Atem lenken
  2. Den Angreifer loben (Gute Idee, Spannender Ansatz, Origineller Gedanke)
  3. Lächeln, ob über die Sache oder mokant über den Angreifer ist eine Frage der notwendigen Arroganz
  4. Den Angriff entlarven (Kleine Killerphrase, nicht wahr? Frontaler Angriff, auch spannend)
  5. Weiterlabern

Um den Angriff entlarven zu können, ist die Kenntnis der verschiedenen Waffen natürlich unabdingbar.

Sie finden das Waffenarsenal der schwarzen Rhetorik ebenfalls bei meinen Tipps von A – Z.

„Mensch Matthias! Hast du keine Augen im Kopf oder was? Kannst du ausnahmsweise heute mal nicht HIER herum stolpern?“

„Ja, ist ja schon gut. Was ist denn heute los mit dir?“

„Mit mir ist gar nicht los!“

Mobbing ist ein schleichender Prozess, da ist nichts Greifbares, nur dieses diffuse Unwohlsein. Achtung! Es gibt eine Faustregel: Wer sich dreimal im Laufe einer Woche fragt: „War das jetzt respektlos oder spinne ich?“ sollte schleunigst das Gespräch mit einem professionellen Zuhörer suchen. Dafür sind Betriebsinterne Sozialdienste da. Auch die Telefon Seelsorge schenkt jedem rund um die Uhr anonym, kompetent und hervorragend ausgebildet ein offenes Ohr. Übrigens freut sich Pastor Christian Voigtmann über Menschen, die sich für dieses Ehrenamt engagieren möchten.

Argumentations-Aikido-Sofort-Trick frei nach dem Motto: Ich trau mich nicht, aber ich mache es trotzdem:

die Offene Gegenfrage:

„Mensch Matthias! Hast du keine Augen im Dez oder was? Kannst du ausnahmsweise heute mal nicht HIER herum stolpern?“

„Was genau meinst du?“

„Ich ähh, naja, ist doch klar…“

„Dir vielleicht, mir nicht.“