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Die Machtspielchen der Chefinnen

Mooment! Frauen und Macht? Zwei Tabuthemen krachen aufeinander. Macht ist doch so ein Männerding, da stehen wir Frauen ja wohl drüber. Leider denken wir Frauen noch sehr häufig so. Natürlich gut für die Männer, die keine moralischen Bedenken haben, nach der Macht zu greifen. Frauen tun also gut daran, das Thema Macht/Power/Energie/Befähigung ganz schnell für sich zu entdecken. Und gesund mit Macht umzugehen.

Was ist denn gesund an Macht?

Hallo? Jede Mutter hat Weisungsbefugnis über ihre Kinder, ist das keine Macht?

Vielleicht würden bei mehr eigenem Bewusstsein für Macht Konkurrenz-Spielchen anders verlaufen. Denn wenn Kollegin A Kollegin B richtig wehtun will, ignoriert sie diese. Schliesst sie aus. Guckt sie nicht mehr an. Richtet das Wort an die anderen. Lächelt andere an und gibt einer anderen neuen Lieblingskollegin ihre kleinen Geheimnisse preis.

WORUM gehts? Geheimnisse erzählen? Nicht anlächeln? Wehtun? Was sind denn das für Gesprächskriterien? Und was hat Kollegin B denn bloss angestellt, derart dämonisch gefährlich angefeindet zu werden? 

Sie war einfach besser. Schöner. Schicker. Kompetenter. Ist befördert worden. Das muss bestraft werden. Auch mit Gruppenrausschmiss. Denn im weiblichen Kommunikationsverhalten zählen die beiden Eckpfeiler Zusammengehörigkeit und Inhalt. Konsensfindung fällt Menschen im weiblichen Kommunikationsverhalten daher eher leichter. Konkurrenz aus den eigenen Reihen, ein Heraustreten einer Einzelnen aus dieser Gemeinschaft führt also zu dämonischem Mobbing? Ja. Leider erlebe ich selbst es immer wieder, und auch Klientinnen schildern diese Problematik. Jedes Verhalten hat seine goldene und seine dunkle Seite. Es geht immer um die tieferen Beweggründe, die man auf den ersten Blick nicht wahrnimmt. Jeder handelt aus den für ihn besten Gründen, leider manchmal ohne Blick auf die Bedürfnisse der Gesellschaft.

 

 

Die Machtspielchen der Chefs

“Zeit ist das, was man an der Uhr abliest.” sagt Albert Einstein. Zeit ist aber noch mehr. Zeit und Raum zeigen Reichtum an. Wer sehr viel Geld hat, erkauft sich grosse Räume, ein grosses Büro mit Blick über den Central Park. Erkauft sich viel Zeit an schönen Orten, wo wiederum viel Platz ist. Zeit und Raum zu besitzen bedeutet also Reichtum und bedeutet das Gegenteil von eng und schnell. Und genau das spiegelt sich wider in unserern Körperhandlungen. Wer rennt? Der Dienstbote. Wer rennt nicht? Der König.

Übrigens – wer sehen möchte, wie man als Frau die Männersprache perfekt beherrscht, darf sich den Film “The Queen” ansehen. So können wir alle ohne grossen Aufwand viel für unser souveränes Erscheinen tun. Aber die richtig perfiden Machtspielchen spielen die Leute, die Zeit als Machtinstrument einsetzen, sprich: die Zeit anderer sinnlos zu vergeuden mit Wartespielchen. Rangniedere warten bis zu einer Stunde auf das Eintreffen des Chefs, die Wichtigkeit wird gemessen in Minuten – je unwichtiger, desto länger die Wartezeit. Aber selbst gleichrangige Geschäftspartner kann es treffen, dass sie sich unversehens zu Bittstellern degradiert sehen. Der Chef muss zeigen, wer der Wichtigste ist, wobei in “Wichtig” das Wort “Wicht” steckt, wie der Rhetoriktrainer Tobias Beck so schön sagt.

 

Small Talk 2 Das Mitreden

Wenn Männer bei halboffiziellen Anlässen wie eine Kleinherde an Stehtischen zusammenstehen und besonders einer pausenlos quatscht, denken wir Frauen gern, dieser eine wolle das Gespräch an sich reissen. Lässt seine Muskeln spielen. Grosse Gesten, viel Raum einnehmend, laut. Dominant.

Wie soll man da auf sich aufmerksam machen? Man ist ja auch auf dieser Veranstaltung. Um Kontakte zu knüpfen. Und ein bisschen was zu sagen hätte man ja schliesslich auch. Und so kompetent wie der da bin ich auch schon lange. Nur – wie bringe ich meine PS auf die Strasse?

“…das pausenlose Reden bedeutet aber nicht notwendigerweise, dass diese Männer die Absicht haben, Frauen am Reden zu hindern.”

sagt Deborah Tannen. Vielmehr ist es oft genug so, dass Leute, die bereitwillig das Wort ergreifen, davon ausgehen, dass es allen freisteht, ebenso zu verfahren. Anstatt sich zurückgesetzt und überrollt zu fühlen, können Frauen proaktiv Massnahmen ergreifen um das Ungleichgewicht aufzuheben. Wie macht man das?

Eine Frau kann sich dazu aufraffen, das Wort auch ohne explizite Aufforderung zu ergreifen, ohne höflich auf eine scheinbar günstige Gelegenheit zu warten. Also einfach mittenrein springen in den Redefluss? Das kann auch nicht jeder. Wie auf so vielen Gebieten ist die Zusicherung von Gleichheit noch lange keine Garantie für wirklich gleiche Chancen. Wenn man bei einem Tanz mitmachen darf, garantiert das noch lange nicht, dass man auch mitmachen KANN. Denn vielleicht hat man andere Tanzschritte erkennt. Und dann steht man als Frau eben am Rand herum. Wir können es aber lernen. Und das ist allemal besser als die Opferrolle.

 

 

…heraus aus dem Reizthema:

Smalltalk ist Schwerstarbeit. Wir müssen uns um den anderen bemühen. Darum, Interesse am anderen zu entwickeln und gleichzeitig an der Oberfläche zu bleiben. Interesse aufzubringen, für vielleicht auch sehr fremde Ansichten ohne meinen Senf dazu zu geben, sagt Hannovers Kommunikationsexpertin Dr. Mechthild Klotz.

“Mallorca ist eine so fantastische Insel..”

“Mmm, ja…” (mehr kann ich dazu eigentlich nicht sagen, also lasse ich es besser..mal schauen, ob wir noch ein gemeinsames Thema finden..

Wenn wir merken, dass der Kitt zwischen uns nicht stark genug ist, dass wir einfach keine gemeinsamen Anknüpfungspunkte finden, dann trennen wir uns wieder. Wir können uns aber jederzeit wieder bei offiziellen Anlässen in Würde begegnen. Denn es hat zwischen uns keine Reibung gegeben. Wichtig ist dabei eben, dass das Gespräch nicht so tief gegangen ist. Dass wir nicht vor unüberwindbaren Kratern stehen, die wir eigentlich überbrücken müssten.

Deswegen haben emotional aufgeladene Reizthemen wie Politik, Religion, Essensgewohnheiten und Geld nichts in einem ersten und auch nicht in einem zweiten Aufeinandertreffen zu suchen. Mechthild Klotz zeigt die Tragweite eines gelungenen Smalltalk:

Beenden kann ich einen Smalltalk nur, wenn er so leicht geblieben ist, dass ich mich ohne unangenehme Erinnerung zurück zu lassen verabschieden kann.

Wenn dir was nicht gefällt an dem, was ich sage und du dein Mißfallen ausdrückst, dann würgst du das Gespräch ab, zum Beispiel so:

“Sie kommen gerade aus dem Urlaub, so braungebrannt? So erholt sehen Sie aus.”

Ja, ich komme aus Mallorca zurück, drei Wochen.”

“Mallorca! Wie schrecklich, wie kann man denn dahin fahren!”

Und schon hast du versäumt, zu erfahren, dass der andere einen dreiwöchigen Klosteraufenthalt zur inneren Einkehr gemacht hat. Schublade auf, eigenes Bild rein und Schublade zu.

Hier kann nur noch schnell das Thema komplett gewechselt werden. Das ist dann höchste Eleganz-nämlich Konzilianz. Nie beleidigt und immer ausgleichend freundlich Zugang findend. Ein Träumchen.

 

Plumpe Drohungen…

 

“Bisher sind wir ja ganz gut mit Ihnen gefahren…!”

“Das meinen Sie nicht ernsthaft – besser nicht…”

 

…und Unterbrechungen und Störungen:

 

“Tschuldigung, wenn ich da mal einhake…”

Husten, leise pfeifen, auf Tischplatte trommeln, räuspern

“Moment – ich muss kurz diesen Anruf hier…ja? Ach Herr Meier!”

 

Antwortmöglichkeiten:

Papagei 1: “Ich werde Ihre Bemerkung einfach mal überhören.”

“Bisher sind wir ja ganz gut mit Ihnen gefahren…!”

“Ich werde Ihre Bemerkung einfach mal überhören.”

 

BESSER: Drohungen überhören. Zurück zum Thema. Ruhig bleiben. Weiteratmen.

 

Papagei 2: “Dazu fällt mir wirklich nichts mehr ein.”

“Moment – ich muss kurz diesen Anruf hier…ja? Ach Herr Meier!”

Papagei 2: “Dazu fällt mir wirklich nichts mehr ein.”

 

Papagei-Versatzstücke sind nicht so elegant wie das Entlarven der jeweiligen Technik und das konziliante Zurückkehren zum eigentlichen Thema:

“Moment – ich muss kurz diesen Anruf hier…ja?”

“Ich entschuldige nicht. Bitte erledigen Sie Ihre Anrufe nicht während MEINER Ausführungen-haben Sie das verstanden?”

 

Kompetenz und Souveränität erzählen sich vor allem durch das würdevolle Auftreten, das würdevolle, gemessene Sprechen, durch das Setzen von Pausen und die Blickfestigkeit.

Der Ton macht die Musik. Angriffe parieren und Schläge austeilen tun wir also am besten beim Ausatmen. Schreck verbergen – Gucken – einatmen – ausatmen – zutreten.