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Die Machtspielchen der Chefs

“Zeit ist das, was man an der Uhr abliest.” sagt Albert Einstein. Zeit ist aber noch mehr. Zeit und Raum zeigen Reichtum an. Wer sehr viel Geld hat, erkauft sich grosse Räume, ein grosses Büro mit Blick über den Central Park. Erkauft sich viel Zeit an schönen Orten, wo wiederum viel Platz ist. Zeit und Raum zu besitzen bedeutet also Reichtum und bedeutet das Gegenteil von eng und schnell. Und genau das spiegelt sich wider in unserern Körperhandlungen. Wer rennt? Der Dienstbote. Wer rennt nicht? Der König.

Übrigens – wer sehen möchte, wie man als Frau die Männersprache perfekt beherrscht, darf sich den Film “The Queen” ansehen. So können wir alle ohne grossen Aufwand viel für unser souveränes Erscheinen tun. Aber die richtig perfiden Machtspielchen spielen die Leute, die Zeit als Machtinstrument einsetzen, sprich: die Zeit anderer sinnlos zu vergeuden mit Wartespielchen. Rangniedere warten bis zu einer Stunde auf das Eintreffen des Chefs, die Wichtigkeit wird gemessen in Minuten – je unwichtiger, desto länger die Wartezeit. Aber selbst gleichrangige Geschäftspartner kann es treffen, dass sie sich unversehens zu Bittstellern degradiert sehen. Der Chef muss zeigen, wer der Wichtigste ist, wobei in “Wichtig” das Wort “Wicht” steckt, wie der Rhetoriktrainer Tobias Beck so schön sagt.

Menschen scannen in Sekundenbruchteilen die Glaubwürdigkeit und die Souveränität eines Redners ab.

Dabei schauen wir auf alle körpersprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten. Wichtig ist daher, dass wir uns unserer Bewegungen bewusst sind. Nervosität zeigt sich in vielen kleinen Dingen. Nervosität wird uns Rednern immer verziehen-nicht aber, wenn wir keine Nähe zum Publikum eingehen wollen.

Wenn wir uns als Mensch nicht sichtbar machen wollen, wenn wir unsere Gefühle, unseren Standpunkt das Vortragsthema betreffend verborgen halten.

Durchlässigkeit und Integrität sind hier die Fähigkeiten, die stetig wachsen.

Durchlässig ist, wer sich von seinem Vortragsthema (bis zu einem geschmackvollen Grad) hinforttragen lässt, der sich begeistert und der seine Freude auch offen zeigt.

“Dann mach ich mich doch zum Affen!” höre ich dann immer wieder.

Naja. Angst ist auf der Bühne ein schlechter Berater. Wer sich nicht nackt in die Öffentlichkeit begeben möchte, hat immer die Wahl, nicht in die Sauna zu gehen. Die Wahl, eine Bühne zu betreten, haben wir jedoch nicht immer.

Auf der Bühne gilt nur und ausschliesslich Mut. Nicht Perfektion.

“Nicht gut machen – MACHEN.” sagte Peter Meinhardt, ein lieber Freund, begnadeter Lehrer und seines Zeichens Professor a. D. für Schauspiel an der Hochschule für Theater und Musik Hannover.

Für Mut und für Ihre echten, sichtbaren Stimmungen-Emotionen, wenn Sie es so nennen wollen, belohnt Sie Ihr Publikum.

Warum?

Identifikation! Eine Zuhörerschaft besteht aus Individuen. Jedes Individuum möchte am liebsten sich selbst erkennen-auch in dem Redner da vorne. Wir Zuhörer möchten auf die Reise mitgenommen werden und nicht permanent mit den Unzulänglichkeiten der Nervosität konfrontiert werden.

Schlussgedanke:

Wer sich für seinen Applaus nicht angemessen bedankt, ohrfeigt das Publikum.

Laden Sie hier Ihren Meilenstein als pdf herunter.

Der Partisan

Führt aufs Glatteis: Ihr wisst alles über euer Projekt. Und dann kommen spitzfindige Fragen, die ihr nicht beantworten könnt. Die Haare in der Suppe. Quasi. Und deren Beantwortung auch völlig überflüssig ist!

Der Partisan soll euch ins Wanken bringen. Bleibt professionell, nicht patzig werden.

Feel like a rock: Brückensatz und offene Frage…

“Sehr interessante Fragestellung. Inwiefern ist dieser Fakt wichtig?”

…und vorbeigerauscht ist der Partisan.

Der Partisan ist schlicht fauler Zauber – ein Stresstest. Unfaire Techniken dienen dazu, berechtigte Minderwertigkeitskomplexe und Kompetenzmangel zu verdecken – Beispiel Trump.

 

Plumpe Drohungen…

 

“Bisher sind wir ja ganz gut mit Ihnen gefahren…!”

“Das meinen Sie nicht ernsthaft – besser nicht…”

 

…und Unterbrechungen und Störungen:

 

“Tschuldigung, wenn ich da mal einhake…”

Husten, leise pfeifen, auf Tischplatte trommeln, räuspern

“Moment – ich muss kurz diesen Anruf hier…ja? Ach Herr Meier!”

 

Antwortmöglichkeiten:

Papagei 1: “Ich werde Ihre Bemerkung einfach mal überhören.”

“Bisher sind wir ja ganz gut mit Ihnen gefahren…!”

“Ich werde Ihre Bemerkung einfach mal überhören.”

 

BESSER: Drohungen überhören. Zurück zum Thema. Ruhig bleiben. Weiteratmen.

 

Papagei 2: “Dazu fällt mir wirklich nichts mehr ein.”

“Moment – ich muss kurz diesen Anruf hier…ja? Ach Herr Meier!”

Papagei 2: “Dazu fällt mir wirklich nichts mehr ein.”

 

Papagei-Versatzstücke sind nicht so elegant wie das Entlarven der jeweiligen Technik und das konziliante Zurückkehren zum eigentlichen Thema:

“Moment – ich muss kurz diesen Anruf hier…ja?”

“Ich entschuldige nicht. Bitte erledigen Sie Ihre Anrufe nicht während MEINER Ausführungen-haben Sie das verstanden?”

 

Kompetenz und Souveränität erzählen sich vor allem durch das würdevolle Auftreten, das würdevolle, gemessene Sprechen, durch das Setzen von Pausen und die Blickfestigkeit.

Der Ton macht die Musik. Angriffe parieren und Schläge austeilen tun wir also am besten beim Ausatmen. Schreck verbergen – Gucken – einatmen – ausatmen – zutreten.

 

 

Hallo, ich bin Matthias, ich bin ganz neu hier in Hannover und komme aus Hamburg.”

“Hamburg! Was für eine schöne Stadt!”

“Du kennst Hamburg?”

“Nicht sehr gut. Ein Muss für mich ist aber immer die Aussenalster. Eine Bootstour einmal rüber nach Winterhude und zurück. Egal ob bei Regen oder Sonne.”

“Ja, das mache ich auch gern. Ich liebe das Musicaltheater auf der Kellinghusener.”

“Die Kellinghusener Strasse- in welchem Stadtteil ist die nochmal?”

 Und so weiter. Die Kunst des Smalltalks liegt darin, an der Oberfläche zu bleiben. Keine Diskussion zu entfachen, niemanden überzeugen wollen. Also nicht so:

“Musicals? Das ist so gar nicht meins, finde ich auch ziemlich überschätzt. Theater überhaupt ist mir alles zu künstlich.”

Selbst, wenn es so ist, ist das hier der falsche Zeitpunkt, das miteinander auszudiskutieren.

Der Smalltalk ist das kleine Gespräch, sonst hiesse er Bigtalk.

Besonders wichtig: Den Gesprächspartner nicht vor den Kopf stossen.

Funktionieren im menschlichen Sozialverhalten.

“Aber Musicals interessieren mich nun mal nicht, soll ich da trotzdem nachfragen und Interesse heucheln?”

Jeder hat das Recht auf seine Vorlieben. Stabile Beziehungen schaffen wir durch das ehrliche Interesse an der Andersartigkeit des Anderen. Und das ist Schwerstarbeit.