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Die Stegreif-Rede – woher kommt der Begriff?

Sie wurde ursprünglich nicht aus dem Ärmel geschüttelt, sondern in den Steigbügeln stehend vorgetragen.

Und was wurde da vorgetragen? Markige Befehle, taktische Kampfanweisungen des Oberst der Kavallerie-cavallo-italienisch, caballus – lateinisch für Pferd – an seine Kampftruppen.

Um Überblick zu gewinnen, musste der Heeresführer sich in die Steigbügel stellen.

Mitten im Kampf schwingt man dann keine langen Reden mehr, wobei die Idee, den Gegner tot zu quatschen anstatt tot zu schiessen ja was hat…

Der Dreisatz oder die Struktur der Stegreif-Rede:

 Zeitlicher Dreisatz: Gestern-Was war? Heute-Was ist? Morgen-Was soll sein?

Dialektischer Dreisatz: Erste Meinung/Zweite Meinung/ Schlussfolgerung

 Argumentativer Dreisatz: Ist-Zustand/Soll-Zustand/Wie kommt man dahin?

“Liebe Anwesende, wie schön, dass Sie hier sind und wir gemeinsam einen Grund zum Feiern haben.

Anlass ist, wie wir alle wissen, die Eröffnung unserer dritten Filiale.

Noch gestern haben wir hier eingerichtet und geschuftet bis tief in die Nacht. Es hat sich gelohnt! Heute sehen Sie das Ergebnis und ich bin sehr stolz auf meine Kollegen und auf mich auch-haha. Blicken wir mit Energie in die Zukunft! Auf eine schöne Feier! Prost!”

Das war doch leicht, oder?

Laden Sie hier den Meilenstein als pdf herunter

Das Bestreiten der Sachkompetenz…

“Das glauben Sie ja wohl selbst nicht, was Sie da sagen!”

“Sie wissen überhaupt nicht, wovon Sie sprechen.”

“Sind Sie Experte, oder wie darf ich mir das vorstellen?”

…und der Frontalangriff:

“Sie erzählen unglaublich viel Mist.”

“Das ist doch totaler Blödsinn.”

“Sie wissen es einfach nicht besser, oder?”

 

Antwortmöglichkeiten: Papagei 1: “Sie kennen sich aus.”

“Das glauben Sie ja wohl selbst nicht, was Sie da sagen!”

“Sie kennen sich aus.”

 

Papagei 2: “Ich habe damit kein Problem”

“Sie würden nicht einmal in der Baumschule genommen werden!”

“Ich habe damit kein Problem”

Papagei-Versatzstücke sind nicht so elegant wie das Entlarven der jeweiligen Technik und das konziliante Zurückkehren zum eigentlichen Thema:

“Das glauben Sie ja wohl selbst nicht, was Sie da sagen!”

“Ihre Frage scheint auf meine Sachkompetenz abzuzielen. Wenn wir aber die Sache betrachten, sehen wir, dass…”

Kompetenz und Souveränität erzählen sich vor allem durch das würdevolle Auftreten, das würdevolle, gemessene Sprechen, durch das Setzen von Pausen und die Blickfestigkeit. Der Ton macht die Musik. Angriffe parieren und Schläge austeilen tun wir also am besten beim Ausatmen. Schreck verbergen – Gucken – einatmen – ausatmen – zutreten.

 

 

“Mensch Matthias! Hast du keine Augen im Kopf oder was? Kannst du ausnahmsweise heute mal nicht HIER herum stolpern?”

“Ja, ist ja schon gut. Was ist denn heute los mit dir?”

“Mit mir ist gar nicht los!”

Mobbing ist ein schleichender Prozess, da ist nichts Greifbares, nur dieses diffuse Unwohlsein. Achtung! Es gibt eine Faustregel: Wer sich dreimal im Laufe einer Woche fragt: “War das jetzt respektlos oder spinne ich?” sollte schleunigst das Gespräch mit einem professionellen Zuhörer suchen. Dafür sind Betriebsinterne Sozialdienste da. Auch die Telefon Seelsorge schenkt jedem rund um die Uhr anonym, kompetent und hervorragend ausgebildet ein offenes Ohr. Übrigens freut sich Pastor Christian Voigtmann über Menschen, die sich für dieses Ehrenamt engagieren möchten.

Argumentations-Aikido-Sofort-Trick frei nach dem Motto: Ich trau mich nicht, aber ich mache es trotzdem:

die Offene Gegenfrage:

“Mensch Matthias! Hast du keine Augen im Dez oder was? Kannst du ausnahmsweise heute mal nicht HIER herum stolpern?”

“Was genau meinst du?”

“Ich ähh, naja, ist doch klar…”

“Dir vielleicht, mir nicht.”

“Jetzt mach dich mal hier nicht so breit!” “Genau! Und red nicht so laut.” 

“Und lach nicht so laut.” 

“Bleib mal hübsch bescheiden.” 

Bescheiden ist nicht hübsch. Bescheiden ist kontraproduktiv für die eigene Entfaltung. Aber genau darum geht es im Leben: Wer nimmt sich Raum und Zeit? Wer überzeugt die Kunden, die Kollegen, die Vorgesetzten, die Mitarbeiter von Ideen und Produkten? Derjenige, der sich bescheiden im Hintergrund hält? Oder der sich exponiert und damit ein Risiko eingeht? Neid muss man sich erarbeiten, Mitleid bekommt man geschenkt. Und genauso sieht auch der körperliche Gestus aus. Je höher die Position eines Menschen, desto geringer sein mimisches Ausdrucksspektrum. Die Mimik eines Machtmenschen ist so ruhig wie ein Pokerface. So unbewegt wie der Maschsee bei Windstille.

“Höhle der Löwen… da muss ich gerade dran denken.”

Es gehört schon einiges an Standing dazu, mit so einem Gesprächspartner gelassen umzugehen. Eine unbewegte Mimik und eine sparsame Gestik bedeuten ja nicht zwangsläufig Arroganz. Die Arroganz sagt: “Ich finde mich gut, dich aber nicht.” Und automatisch zieht sich eine Augenbraue und ein Nasenflügel nach oben – Ekel und Verachtung. Das Selbstbewusstsein sagt: “Ich find mich gut, dich auch.” Lächeln, Lachfalten – Augenringmuskeln kontrahieren beidseits.

Hände können soviel: Zupacken, sich an einer Felswand hochziehen, Babys streicheln, Hunde streicheln, Putzen – besonders kleine Hände kommen prima in die Ecken – Malen, Bildhauern. Pantomimen erzählen mit ihren Händen ganze Geschichten. Hände wehren ab –

“Nein, ich bin nicht Ihrer Meinung..”

Laden wieder ein –

“…kann aber Ihrer Argumentation gut folgen..”

demonstrieren Gemeinsamkeit-

“..und denke, wir beide könnten zusammen win-win-Lösungen finden.”

und ergreifen Chancen –

“Wenn auch Sie bereit sind, meinen Ausführungen zu folgen.”

Handflächen nach unten, Finger gespreizt demonstrieren Abwehr, Handfläche nach oben laden ein oder ergreifen – je nach Krümmungsgrad der Finger.

Handflächen nach innen, zum eigenen Körper gerichtet, sind bereit, ein Holzbrett zu durchschlagen oder symbolisch, Probleme und wirre Gedanken.

Sind die Finger dabei geschlossen, zeigen sie Konsequenz an, gespreizte Finger zeigen den Grad der Emotionalität an.

Gleichzeitig gestikulierende Hände verstärken, wie ein Lautsprecher, diese Emotionen.

10 gespreizte Finger-Handflächen nach innen – deuten auf eine hohe Emotionalität hin,

2 geschlossene Handflächen – grenzen uns von den anderen Menschen ab. Geisteshaltung spiegelt Körperhaltung. Instinktiv erkennt unsere Umwelt, ob Inhalt und Ausdruck zusammen passen oder ob wir lügen. Im Talmud steht es so:

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.

Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.

Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.

Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.

Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.