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„Da brat mir doch einer einen Storch! Hat dieses Schlitzohr von Zimmermann mir tatsächlich den Balken schief gesetzt! Und ist auf und davon – das melde ich dem Zunftmeister!“

Im Mittelalter machte man mit Betrügern kurzen Prozess. Ein kräftiger Ruck am Ohrring stigmatisierte seinen ehemaligen Träger als unehrenhaften Lügner und Betrüger. Männer mit Ohrring waren Handwerker oder Seeleute. Der wertvolle Ohrschmuck sollte garantieren, die letzte Reise auf Erden als guter Christ und Ehrenmann anzutreten, der Ohrring bezahlte die würdige Beerdigung.
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„Was ist mit Tagungsordnungspunkt 5?“

„Das Thema wollte ich jetzt bei unserer heutigen Versammlung eigentlich nicht aufs Tapet bringen.“

Wenn man etwas aufs Tapet bringt, dann malt man nicht die Tapete an. Tapet ist das französische Wort für Teppich oder Matte. Wollte man einer kahlen Wand Glanz verleihen oder einen leeren Tisch aufhübschen, so hängte man einen Teppich, später ja auch Stofftapeten an die Wände oder legte eine – neudeutsch – Tischdecke auf.
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„Wollen nicht auch Sie einen kleinen Obolus für Tiere in Not entrichten?“

„Na klar, eine kleine Spende geb ich doch gern.“

Der Obolus war eine altgriechische Silbermünze im Wert vergleichbar dem 50 Pfennigstück und gilt auch heute noch als Begriff für eine kleine Spende. Transportiert wurden diese kleinen Münzen – man höre und staune in der Antike im Mund. Bei Bedarf spuckte man sie dann aus. Es war Brauch, jedem Verstorbenen einen Obolus unter die Zunge zu legen.
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Gerne behaupten wir von anderen:

„Die sind so spießig – Reihenhaus, Familie, Hund.“

Was meinen wir damit? Langeweile? Ist spießig langweilig? Und was ist langweilig an einem Haus über dem Kopf und einer Familie? Wird nicht gerade heutzutage wieder vermehrt in die Immobilie investiert? Und was wäre die Alternative? Wie ein Nomade flexibel von Ort zu Ort ziehen? Ganz schön anstrengend. Das wäre natürlich die Antwort auf die wirtschaftlichen Probleme zwischen erster und dritter Welt – denn nur die Sesshaftigkeit in den Ballungszentren führt ja zu Ausbeutung und Verarmung ganzer Völker.
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„Ey, voll krass, die aufgedonnerte Alte da! Und der Schwachmat neben der – voll der Tatterich – voll Blamage ey!“

Klingt nach 2016, ist aber alles schon über 200 Jahre alt. Jedes Wort. Na gut. Früher hätte ein Jugendlicher etwas anders formuliert:

„Sieh dort, das stattliche Weib und daneben der krasse Philister!“

„Krass“ war ein überaus beliebter Kraftausdruck, im Sinne von grässlich.
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