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In der großen Halle des dänischen König liegt das menschenverschlingende Ungeheuer und wartet auf neue Opfer. Im Kampf tötet Beowulf zunächst Grendel mit bloßen Händen..

Der Beowulf – eines der ältesten Heldenepen Europas. Blut, Gemetzel, Schreie, Töten mit blossen Händen. Stimmgewaltig. Gewalt in der Stimme. Mächtig, erhaben, groß.

Wie klingt die Stimme eines Helden?

Dem edlen Herrscher dein Anliegen melden, und eiligst dann dir die Antwort künden, die der Gütige mir zu geben geruht.

Wem solche Worte mit Leichtigkeitüber die Lippen perlen, dessen Stimme klingt ganz sicher erhaben. Uns anderen fällt das sicher schwerer. Denn wer bitteschön quatscht denn so ein altertümliches Zeugs? Aber genau da liegt ja der Hase im Pfeffer…

Was sonst sagt man denn stimmgewaltig?

“Sehen Sie hier die Absatzzahlen der letzten drei Jahre. Auf dieser Grafik…” und so weiter..? Sicher nicht. Was nicht passt, passt eben nicht. Und muss auch nicht passend gemacht werden. Aber vielleicht träumen Sie ja insgeheim davon, einmal Ihre Stimme gewaltig zu erheben, einmal vor Tausenden Menschen zu stehen wie im Monumentaldrama “Der Herr der Ringe”. Abertausende stehen kampfesbereit. Muskulöse, schiere Kraft, wohin das Auge reicht. Ein ganzes Volk lauscht. Sie stehen gebannt, stumm, um den Worten ihres Anführers zu lauschen. Und Sie erheben Ihre Stimme. Wie ein Kaiser. Sagen etwas. Natürlich sehr Wichtiges. Alle jubeln.

Moment – was war das jetzt?

Das war Zeitraffer. Denn WIE genau sprechen sie eigentlich, diese stimmgewaltigen Anführer? Wie machen die datt-stellen wir uns mal ganz dumm und fragen:

“Wie machen Sie das bitteschön, dass man Sie ohne Mikro so prima in einem Radius von 2000 qm?”

So riesig ist keine Stimme der Welt. Wahrscheinlich nicht mal die eines total enthemmten Dinosauriers. Auf jeden Fall langsam. Gewichtig. (Der Übergang zu grössenwahnsinnig ist mit bloßem Auge nicht mehr erkennbar). Und sehr sehr kurze Sätze. Wegen Echo. Und null Hemmungen. Das alles können wir uns abgucken, wenn wir stimmgewaltig auftreten wollen. Wie in einem Heldenepos. König Arthus und die Ritter der Tafelrunde. Beowulf. Siegfried, der mit dem Drachen kämpfte. Jedes Land, jede Sprache hat seine eigenen Heldensagen.

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Small Talk 1 Das Heranpirschen

Offizieller Anlass, Stehtische, überall schon voll besetzt, die Menschen scheinbar in fantastisch interessanten Small Talk vertieft. Wie komme ich da jetzt ins Gespräch?

Stehen da Frauen – kein Problem. Da weiss ich als Frau Bescheid. Mal so alle angucken, welche Frau zurückguckt und die dann ansprechen. Meistens klebt man dann viel zu lange an der Einen fest.

Aber wie pirscht man sich an den Männertisch heran?

Einfach dazustellen?

Fettnapf. Geht gar nicht. Befolge das Ritual.

Das WIE aussieht?

Ein Tisch stellt bereits ein Territorium dar, er wurde in Besitz genommen von einigen Männern. Da kann man sich nicht einfach so plump vetraulich danebenstellen. Genau. An der Grenze musst du schliesslich auch deinen Pass vorzeigen.

Also was?

Abstand halten.

Wieviel?

Na, so einen Meter. Dort stehen bleiben, was sagen. zum Beispiel: Guten Tag die Herren.

Watt? Guten Tag die Herren?

Ja, das ist richtig gut. Echt respektvoll.

Ich lach mich tot.

Dann bist du die einzige. Wir finden das gut. Du kannst auch fragen:

Darf ich mich zu Ihrer Runde hinzugesellen, oder

 Mein Glas sucht einen Parkplatz. Ist auf Ihrem Tisch noch Platz?

Ok, Floskeln. Geschafft. Und jetzt?

 Wird abgenickt und du darfst rankommen. Jetzt gehörst du dazu.

Mann Mann Mann…was für ein Getue..oder doch nicht?

 

Menschen scannen in Sekundenbruchteilen die Glaubwürdigkeit und die Souveränität eines Redners ab.

Dabei schauen wir auf alle körpersprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten. Wichtig ist daher, dass wir uns unserer Bewegungen bewusst sind. Nervosität zeigt sich in vielen kleinen Dingen. Nervosität wird uns Rednern immer verziehen – nicht aber, wenn wir keine Nähe zum Publikum eingehen wollen.

Wenn wir uns als Mensch nicht sichtbar machen wollen, wenn wir unsere Gefühle, unseren Standpunkt das Vortragsthema betreffend verborgen halten.

Durchlässigkeit und Integrität sind hier die Fähigkeiten, die stetig wachsen.

Durchlässig ist, wer sich von seinem Vortragsthema (bis zu einem geschmackvollen Grad) hinforttragen lässt, der sich begeistert und der seine Freude auch offen zeigt.

“Dann mach ich mich doch zum Affen!” höre ich dann immer wieder.

Naja. Angst ist auf der Bühne ein schlechter Berater. Wer sich nicht nackt in die Öffentlichkeit begeben möchte, hat immer die Wahl, nicht in die Sauna zu gehen. Die Wahl, eine Bühne zu betreten, haben wir jedoch nicht immer.

Auf der Bühne gilt nur und ausschliesslich Mut. Nicht Perfektion.

“Nicht gut machen – MACHEN.” sagte Peter Meinhardt, ein lieber Freund, begnadeter Lehrer und seines Zeichens Professor a. D. für Schauspiel an der Hochschule für Theater und Musik Hannover.

Für Mut und für Ihre echten, sichtbaren Stimmungen-Emotionen, wenn Sie es so nennen wollen, belohnt Sie Ihr Publikum.

Warum?

Identifikation! Eine Zuhörerschaft besteht aus Individuen. Jedes Individuum möchte am liebsten sich selbst erkennen-auch in dem Redner da vorne. Wir Zuhörer möchten auf die Reise mitgenommen werden und nicht permanent mit den Unzulänglichkeiten der Nervosität konfrontiert werden.

Schlussgedanke:

Wer sich für seinen Applaus nicht angemessen bedankt, ohrfeigt das Publikum.

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…heraus aus dem Reizthema:

Smalltalk ist Schwerstarbeit. Wir müssen uns um den anderen bemühen. Darum, Interesse am anderen zu entwickeln und gleichzeitig an der Oberfläche zu bleiben. Interesse aufzubringen, für vielleicht auch sehr fremde Ansichten ohne meinen Senf dazu zu geben, sagt Hannovers Kommunikationsexpertin Dr. Mechthild Klotz.

“Mallorca ist eine so fantastische Insel..”

“Mmm, ja…” (mehr kann ich dazu eigentlich nicht sagen, also lasse ich es besser..mal schauen, ob wir noch ein gemeinsames Thema finden..

Wenn wir merken, dass der Kitt zwischen uns nicht stark genug ist, dass wir einfach keine gemeinsamen Anknüpfungspunkte finden, dann trennen wir uns wieder. Wir können uns aber jederzeit wieder bei offiziellen Anlässen in Würde begegnen. Denn es hat zwischen uns keine Reibung gegeben. Wichtig ist dabei eben, dass das Gespräch nicht so tief gegangen ist. Dass wir nicht vor unüberwindbaren Kratern stehen, die wir eigentlich überbrücken müssten.

Deswegen haben emotional aufgeladene Reizthemen wie Politik, Religion, Essensgewohnheiten und Geld nichts in einem ersten und auch nicht in einem zweiten Aufeinandertreffen zu suchen. Mechthild Klotz zeigt die Tragweite eines gelungenen Smalltalk:

Beenden kann ich einen Smalltalk nur, wenn er so leicht geblieben ist, dass ich mich ohne unangenehme Erinnerung zurück zu lassen verabschieden kann.

Wenn dir was nicht gefällt an dem, was ich sage und du dein Mißfallen ausdrückst, dann würgst du das Gespräch ab, zum Beispiel so:

“Sie kommen gerade aus dem Urlaub, so braungebrannt? So erholt sehen Sie aus.”

Ja, ich komme aus Mallorca zurück, drei Wochen.”

“Mallorca! Wie schrecklich, wie kann man denn dahin fahren!”

Und schon hast du versäumt, zu erfahren, dass der andere einen dreiwöchigen Klosteraufenthalt zur inneren Einkehr gemacht hat. Schublade auf, eigenes Bild rein und Schublade zu.

Hier kann nur noch schnell das Thema komplett gewechselt werden. Das ist dann höchste Eleganz – nämlich Konzilianz. Nie beleidigt und immer ausgleichend freundlich Zugang findend. Ein Träumchen.

 

“Meine Güte, dieses Fest erinnert mich ein bißchen an ein Kinderfest. Wann habe ich zum letzten Mal ein Spiel wie Eierlaufen machen müssen!”

Glasperle 1: Ein Wort aufnehmen und eine neue Geschichte daraus machen. Gib dabei ein bisschen von dir preis:

“Ja, das ist auch bei mir lange her. Eierlaufen haben wir auf dem Geburtstag meines Sohnes letzte Woche gespielt.”

Glasperle 2: Ein Wort aufnehmen und eine neue Geschichte daraus machen. Gib dabei ein bisschen von dir preis: “Ein Geburtstagsfest im Sommer! Wie schön! Wie alt ist er geworden?”

“5. Eigentlich wollte er lieber Fussball spielen, aber das wollte meine Frau nicht.”

Glasperle 3: “Jaja, die Frauen..”

Bei alledem ist es völlig unwichtig, ob wir das einander sagen oder nicht. Wir gewinnen auf der Informationseben nichts. Auf der Sachebene schon-denn wir sind gerade dabei, herauszufinden, ob diese Person für mich interessante Impulse bringt.

Ob die Chemie stimmt, finden wir im Laufe des Gespräches heraus. Darum geht es aber nicht. Es geht darum, einander in Würde und Respekt zu begegnen und auch wieder auseinander gehen zu können. Auf jeden Fall übt das kleine Gespräch, der Smalltalk unsere Sozialkompetenz.

“Es geht um die Kunst der Wertschätzung”, sagt Kommunikationsexpertin

Dr. Mechthild Klotz. In ihrer Praxis in der List unterrichtet sie die Kunst des interessierten Nichts, das so viele Türen öffnen kann.

Nichts ist ja nicht buchstäblich nichts, sondern ein bisschen ist eben DOCH da.

Ein Hauch von Nichts. Sehr teuer, sehr exklusiv, sehr kostbar.

Mechthild Klotz sagt, es geht um das Interesse am anderen, an etwas Neuem, das ich noch gar nicht weiss, an dem, was uns möglicherweise gemeinsam ist und an dem, was uns total voneinander unterscheidet.

Smalltalk ist Schwerstarbeit.