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Signale der Macht

“Sprache ist mehr als nur Sachinformation. Stimmlich geäusserte Sprache transportiert auch körpersprachliche Signale der Machtverteilung zwischen den Geschlechtern. Darum sollte man sie auch in diesem Sinne benutzen können, wenn man persönlich von ungünstigen Machtverhältnissen betroffen ist.” sagt Dr. Peter Modler, Autor des Buches “Das Arroganz-Prinzip” und Kämpfer für Kompetenz im Chefsessel. Ob das dann Frauen oder Männer sind, ist ihm eigentlich egal. Wichtig für unsere Wirtschaft, für unser Zusammenleben auf dieser Erde ist ein funktionierendes Miteinander. Und dazu tragen beide – Frauen und Männer mit ihren unterschiedlichen Kommunikationsstilen bei.

Oder eben auch nicht – die Signale der Macht:

  1. Ins Wort fallen. Das ist nicht nett, aber machtvoll. Manchmal muss man auch mal nicht nett sein. Wann? Wenn jemand MICH unterbricht und meine Kompetenz infrage stellt. Dann muss der ganz schnell ruhiggestellt werden. Und zwar mit seinen eigenen Waffen. Weiter.
  2. Kein elaboriertes Geschwafel auf höchstem Niveau. Kurze Sätze.
  3. Langsames und deutliches Sprechen. Möglichst hochdeutsch. Dialekt wirkt oft gemütlich.
  4. Eindeutigkeit in Körper und Wort. Wer bei NEIN noch lächelt oder in der Hüfte einknickt, wird missverstanden.

 

Small Talk 2 Das Mitreden

Wenn Männer bei halboffiziellen Anlässen wie eine Kleinherde an Stehtischen zusammenstehen und besonders einer pausenlos quatscht, denken wir Frauen gern, dieser eine wolle das Gespräch an sich reissen. Lässt seine Muskeln spielen. Grosse Gesten, viel Raum einnehmend, laut. Dominant.

Wie soll man da auf sich aufmerksam machen? Man ist ja auch auf dieser Veranstaltung. Um Kontakte zu knüpfen. Und ein bisschen was zu sagen hätte man ja schliesslich auch. Und so kompetent wie der da bin ich auch schon lange. Nur – wie bringe ich meine PS auf die Strasse?

“…das pausenlose Reden bedeutet aber nicht notwendigerweise, dass diese Männer die Absicht haben, Frauen am Reden zu hindern.”

sagt Deborah Tannen. Vielmehr ist es oft genug so, dass Leute, die bereitwillig das Wort ergreifen, davon ausgehen, dass es allen freisteht, ebenso zu verfahren. Anstatt sich zurückgesetzt und überrollt zu fühlen, können Frauen proaktiv Massnahmen ergreifen um das Ungleichgewicht aufzuheben. Wie macht man das?

Eine Frau kann sich dazu aufraffen, das Wort auch ohne explizite Aufforderung zu ergreifen, ohne höflich auf eine scheinbar günstige Gelegenheit zu warten. Also einfach mittenrein springen in den Redefluss? Das kann auch nicht jeder. Wie auf so vielen Gebieten ist die Zusicherung von Gleichheit noch lange keine Garantie für wirklich gleiche Chancen. Wenn man bei einem Tanz mitmachen darf, garantiert das noch lange nicht, dass man auch mitmachen KANN. Denn vielleicht hat man andere Tanzschritte erkennt. Und dann steht man als Frau eben am Rand herum. Wir können es aber lernen. Und das ist allemal besser als die Opferrolle.

 

 

 

Small Talk 1 Das Heranpirschen

Offizieller Anlass, Stehtische, überall schon voll besetzt, die Menschen scheinbar in fantastisch interessanten Small Talk vertieft. Wie komme ich da jetzt ins Gespräch?

Stehen da Frauen – kein Problem. Da weiss ich als Frau Bescheid. Mal so alle angucken, welche Frau zurückguckt und die dann ansprechen. Meistens klebt man dann viel zu lange an der Einen fest.

Aber wie pirscht man sich an den Männertisch heran?

Einfach dazustellen?

Fettnapf. Geht gar nicht. Befolge das Ritual.

Das WIE aussieht?

Ein Tisch stellt bereits ein Territorium dar, er wurde in Besitz genommen von einigen Männern. Da kann man sich nicht einfach so plump vetraulich danebenstellen. Genau. An der Grenze musst du schliesslich auch deinen Pass vorzeigen.

Also was?

Abstand halten.

Wieviel?

Na, so einen Meter. Dort stehen bleiben, was sagen. zum Beispiel: Guten Tag die Herren.

Watt? Guten Tag die Herren?

Ja, das ist richtig gut. Echt respektvoll.

Ich lach mich tot.

Dann bist du die einzige. Wir finden das gut. Du kannst auch fragen:

Darf ich mich zu Ihrer Runde hinzugesellen, oder

 Mein Glas sucht einen Parkplatz. Ist auf Ihrem Tisch noch Platz?

Ok, Floskeln. Geschafft. Und jetzt?

 Wird abgenickt und du darfst rankommen. Jetzt gehörst du dazu.

Mann Mann Mann…was für ein Getue..oder doch nicht?

 

 

Die erste Peer-Group

Die amerikanische Professorin für Linguistik Deborah Tannen beschäftigt sich vor allem mit dem Umgang der Sprache in Alltagssituationen. Frauen reden anders als Männer – das haben wir alle schon gemerkt. Mädchen und Jungs entwickeln bereits im Kindesalter ganz eigene, sehr verschiedene Kommunikationsstrategien. Beide funktionieren, mit einem wesentlichen Unterschied: Mädchen interessieren sich für die Thematik Beziehungen pflegen und gestalten, Jungs für die Thematik Status im Rudel, sprich Büro oder Fussballmannschaft. Mädchen verwenden Sprache, um auszuhandeln, wie nahe sie einander sind. Von Kindheit an lernen die meisten Mädchen, dass sie sich bei anderen Mädchen unbeliebt machen, wenn sie zu selbstsicher auftreten. Pippi Langstrumpf gibt es nur im Fernsehen. Eine Mädchenclicque wird das Mädchen ausschließen, die ihr eigenes Ding macht, die sich dem Gruppenzwang NICHT unterwirft. “Sie meint wohl, sie ist was Besonderes.”wird dann hinter ihrem Rücken geflüstert. Frauen treiben einander durch totale Ausgrenzung in den Selbstmord, Männer sich selbst in den Herzinfarkt – höher, schneller, weiter, teurer. Jungen spielen ganz andere Spiele als Mädchen. In einer Gruppe von Jungs kann es einen oder mehrere Anführer geben, die den Rangniederen sagen, was sie zu tun haben. Jungen benutzen das Sprechen zum Aushandeln des eigenen Status innerhalb des Rudels. Zum Festlegen der Hackordnung. Sprache klingt hier so:

“Ok Leute – hört mal her. Wir spielen Indianer. Ich bin Winnetou!”

“Aber ich will Winnetou sein..na gut, bin ich eben Old Shatterhand..”

“Nein, du bist Tante Droll.”

Frauen streben speziell im Gespräch eher einen win-win an und geben sich mit einem loose-win zufrieden, um des lieben Friedens willen.

Menschen scannen in Sekundenbruchteilen die Glaubwürdigkeit und die Souveränität eines Redners ab.

Dabei schauen wir auf alle körpersprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten. Wichtig ist daher, dass wir uns unserer Bewegungen bewusst sind. Nervosität zeigt sich in vielen kleinen Dingen. Nervosität wird uns Rednern immer verziehen – nicht aber, wenn wir keine Nähe zum Publikum eingehen wollen.

Wenn wir uns als Mensch nicht sichtbar machen wollen, wenn wir unsere Gefühle, unseren Standpunkt das Vortragsthema betreffend verborgen halten.

Durchlässigkeit und Integrität sind hier die Fähigkeiten, die stetig wachsen.

Durchlässig ist, wer sich von seinem Vortragsthema (bis zu einem geschmackvollen Grad) hinforttragen lässt, der sich begeistert und der seine Freude auch offen zeigt.

“Dann mach ich mich doch zum Affen!” höre ich dann immer wieder.

Naja. Angst ist auf der Bühne ein schlechter Berater. Wer sich nicht nackt in die Öffentlichkeit begeben möchte, hat immer die Wahl, nicht in die Sauna zu gehen. Die Wahl, eine Bühne zu betreten, haben wir jedoch nicht immer.

Auf der Bühne gilt nur und ausschliesslich Mut. Nicht Perfektion.

“Nicht gut machen – MACHEN.” sagte Peter Meinhardt, ein lieber Freund, begnadeter Lehrer und seines Zeichens Professor a. D. für Schauspiel an der Hochschule für Theater und Musik Hannover.

Für Mut und für Ihre echten, sichtbaren Stimmungen-Emotionen, wenn Sie es so nennen wollen, belohnt Sie Ihr Publikum.

Warum?

Identifikation! Eine Zuhörerschaft besteht aus Individuen. Jedes Individuum möchte am liebsten sich selbst erkennen-auch in dem Redner da vorne. Wir Zuhörer möchten auf die Reise mitgenommen werden und nicht permanent mit den Unzulänglichkeiten der Nervosität konfrontiert werden.

Schlussgedanke:

Wer sich für seinen Applaus nicht angemessen bedankt, ohrfeigt das Publikum.

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