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Wie halte ich eine wunderschöne Hochzeitsrede?

Sie bereiten die Rede in Ruhe vor:

Sie sammeln Material – Daten, Fakten, Zahlen, Zitate, Anekdoten.

Sie treffen eine Auswahl.

Bei der Hochzeitsrede ist natürlich das Kennenlernen und der Antrag das Berührendste. Unwichtiges schmeissen Sie raus.

Sie entwickeln eine Dramaturgie, eine in sich stimmige Reihenfolge.

Chronologisch von Gestern nach Heute oder von Heute nach Gestern

oder Sie sprechen erst über sie, dann über ihn.

Redenschreiber, Internet oder Bücher können Ihnen dabei helfen.

Sie haben eine Auswahl an bunten Informationen in einer nachvollziehbaren Reihenfolge, also einen schönen Redentext.

Und jetzt?

Sie üben Ihre Rede.

Vor dem Spiegel, vor dem Nachbarn, vor dem Hund.

Sie merken, welche Worte passen und welche nicht.

Statt: „Mensch, hier, der Paul, ne, ist ja nicht mehr der Allerjüngste, naja stolze 40 Lenze, haha, hat sich also endlich entschlossen zu heiraten.“

Uurrgghh

Noch schlimmer:

„Hat also der Paul-und die Paula auch – ham die also noch einen abgekriegt – das hätten wir ja nie gedacht.“

Wer braucht da noch Feinde?

Elegant und wertschätzend formuliert:

„Nicht Hals über Kopf, sondern mit Lebensweisheit, mit Bedacht und Sorgfalt-gelassen und besonnen – hast Du Paul, habt ihr beide, Paul und Paula – die richtige Wahl füreinander getroffen.“

Die Hochzeitsrede ist fertig, Sie haben den richtigen Ton getroffen – es gibt spannende Momente, Informatives und unterhaltsame, geschmackvolle Anekdoten. Alles fertig. Oder?

Der Hochzeitstag ist da, es ist soweit, Sie dürfen ran! 200 Gäste, 200 Augenpaare. Schweissausbrüche? Klar. Trotzdem:

Schütteln Sie zur Begrüssung viele Hände, lächeln Sie dabei wie ein Honigkuchenpferd, lernen Sie möglichst viele Anwesende kennen.

Sie betreten die Bühne – langsam! Sie lassen die Blicke schweifen und zählen dabei Einundzwanzig Zweiundzwanzig und lächeln 🙂

alles nette Leute!

200 Augenpaare sehen Sie erwartungsvoll an. Sie lächeln zurück, denken: „Da sitzt Herr Meier, aha, da Frau Müller, da die Dame in grün. Wie nett.“

JA! GENAU. Sie denken: „Wie nett.“

Ok?? Sonst funktioniert das nicht!

Wenn Sie jetzt denken, „O Gott o Gott!“, dann gucken Sie böse und Keiner weiss, warum.

Jetzt sprechen Sie, eher zu langsam als zu schnell. Das Brautpaar sprechen und gucken Sie sowieso an, daran denken Sie ja natürlich sowieso.

Viel Erfolg!

 

 

 

 

 

 

Hand aufs Herz – wem hören Sie wirklich gerne zu?

Gemeinerweise hören wir Menschen ja besonders den Menschen gerne zu, die es uns leicht machen ihnen zuzuhören, indem sie genau das aussprechen, was wir bereits wissen. Indem sie unseren geheimsten Wünschen Raum geben. Der Wunsch nach Sicherheit, Schutz und Orientierung zum Beispiel ist uns allen gemeinsam. Zwar in unterschiedlicher Ausprägung, aber wir alle brauchen ein gewisses Maß an Verlässlichkeit.

Genauso verhält es sich mit Freundschaft/Partnerschaft, denn ganz ohne Bezug zu anderen kann der Mensch nicht sein.

Drittens Selbstverwirklichung, persönliche Freiheit, Entfaltung, Selbstverwirklichung und Anerkennung. Zwar kennen wir unsere tiefsten Wünsche meistens selbst ganz gut, aber nicht immer ist uns klar, dass es mehr als einen Weg gibt, sie zu erfüllen.

Ja, es gibt win-win-Lösungen. Vielleicht sind das keine schnellen Lösungen. Aber ein Kompromiss ist immer ein win-lose. Und das muss man wirklich wollen, das dürfen wir niemanden mit den Worten „Du musst eben kompromissbereit sein.“ aufzwingen. Niemand muss sich mit einem Verlust, einer Nichtwürdigung seines Herzenswunsches nach Sicherheit, Entfaltung oder Selbstverwirklichung gezwungenermassen zufrieden geben. Das geht nur freiwillig.

Es gibt immer Wege, alle auf ihre Kosten kommen zu lassen. Nämlich im Einklang mit anderen Beteiligten Personen, die ja auch Menschen mit denselben Bedürfnissen sind. Ein Konflikt entsteht immer nur dann, wenn die Interessen einer Seite nicht berücksichtigt werden. Die Geschichte ist voll mit der Revolutionen Unterdrückter. Machtergreifungen dadurch erst möglich gemacht. Die Macht der Unterdrückten. Endlich steht dort oben jemand und predigt für uns.

Die allerwenigsten Machtergreifer nutzen dieses älteste aller Manipulationsinstrumente „Du sprichst mir aus der Seele!“ zum Wohle der Weltgemeinschaft. Manipulation ist allgegenwärtig, Macht kann GEnutzt oder BEnutzt werden. Und viel zu oft wird sie missbraucht.

Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten

Malen Sie sich das Schlimmste aus, das passieren kann.

Sie stolpern auf offener Bühne. Sie kriegen einen Lachanfall. In der ersten Reihe schläft jemand. Jemand in der zweiten Reihe horcht an seiner Uhr. Sie haben einen Frosch im Hals. Sie haben die Moderationskarten durcheinander gebracht. Sie haben die Karten zuhause vergessen. Sie haben die Karten auf den Boden geschmissen. Die Technik funktioniert nicht. Sie haben einen Schluckauf. Die Hose steht offen. Rote Flecken im Gesicht. Schweissflecken unter den Armen.

Davon wird Ihnen sicher etwas widerfahren. ETWAS! Nicht ALLES auf einmal.

Vertrauen Sie darauf, dass Ihre Zuhörer auch „nur“ Menschen sind und Ihnen verzeihen werden.

Was ausser blindem Vertrauen könnte Sie noch stärken?

Wenn Sie sich in den Worten Erst verstehen, dann verstanden werden
 in Ihrer kommunikativen Grundeinstellung wiederfinden, dann haben Sie doch eigentlich schon gewonnen. Wenn wir mit der Absicht zuhören, andere zu verstehen, statt mit der Absicht zu antworten, selbst zu reden, dann beginnen wir mit wirklicher Kommunikation und dem wahren Aufbau von Beziehungen. Auch im Monolog des Vortrags. Dann gibt es mehr Chancen, offen zu sprechen und verstanden zu werden. Verstehen zu wollen erfordert Rücksicht; verstanden werden zu wollen verlangt Mut.

Dritte stärkende Idee: Glaubenssätze

Zum Beispiel Bachblüte Nr. 7 Chestnut Bud Ich sehe sehr wachsam in diese Welt. Ich lerne.

Bachblüte Nr. 33 Walnut Ich glaube an mich. Ich finde und gehe meinen Weg. Zuversicht und Sicherheit sind meine Stärken.

Im Übrigen: Wer Schwächen und Lücken nicht verzeihen kann, sondern sich daran auch noch berauscht – der soll`s doch bitte erstens besser machen und zweitens dringend Nachhilfe in Grossherzigkeit nehmen. Und ansonsten zuhause bleiben. Bei Ihren vergessenen Karten. Oder woanders.

Der Fünf-Satz

hat sich bereits in der griechischen Antike bewährt.

Einleitung-Hauptteil-Schluss

Kein Hexenwerk.

Drei Fragen stellen Sie sich idealerweise vor Ihren Ausführungen:

1. Frage: WARUM ich? Hier geht es um meine Expertise, meinen Hintergrund, mein grosses Interesse am Thema, meine innere Bewegtheit, mein Mitteilungsbedürfnis und letztendlich: meine Botschaft.

Damit sind zwei sehr wichtige Dinge auch gleich geklärt, nämlich Pathos und Ethos.

Pathos kennen wir von pathetisch, in ähnlicher Bedeutung wie kitschig. Dahin kann es im Vortrag gehen, ja klar. Die Gefahr des Kitsches, also einer unechten Überfülle an dramatischen Gefühlen gehen wir aber leichten Herzens ein, gewinnen wir doch sonst keinen Blumentopf. Lieber zuviel als zuwenig. Das rechte Maß ist eine Sache des guten Geschmacks und der Übung.

DENN: Wenn wir selbst hörbar gelangweilt von unserem Thema sprechen, fragen sich alle: Wozu stiehlst du mir da vorne gerade meine kostbare Zeit?

Wer hat nochmal gesprochen? Ich kann mich nicht mehr erinnern“ 

Albtraum! Diese Reaktion auf unseren Auftritt wollen wir natürlich nicht!

Pathos will Gefühle beim Zuhörer erzeugen, um eine Herzensangelegenheit durchzusetzen. Zu diesem Zweck dürfen und sollten wir sie erst einmal selbst fühlen und zeigen. Das erfordert unter Umständen Mut, lohnt sich aber. Sie wollen doch berühren, oder? Wenn nicht, geht es um Berichterstattung oder einen Sachvortrag.

Ethos vermittelt unsere Werte, unsere Ecken und Kanten und unseren innerer Kompass. Natürlich sind hier auch die Werte eines Unternehmens gemeint.

2. Frage: WARUM euch? Wer seid ihr, die ihr mir freundlicherweise zuhört? Erzieher? Lehrer? Geschäftsführer? Wissenschaftler? Natürlich wollen alle Menschen in erster Linie unterhalten werden, in zweiter Linie auch und erst zuletzt informiert. Infotainment ist also die leichteste Lernform. Eben Lernen mit Freude, Abwechslung fürs Gehirn. Eine Wiener Humorforscherin prägte den Begriff: „Jedes haha ist immer auch ein Aha!“

Zusätzlich zu diesem allgemein gültigen menschlichen Bedürfnis nach gehirngerechtem, freudigen Lernen, können wir auf das jeweilige Publikum auch noch passgenau eingehen. Passende, alltagsbeschreibende Beispiele, Fremdwörter und Dialekt sind Beispiele dafür, wie wir Menschen direkt ansprechen können. Weitere Beispiele für die direkte Ansprache finden Sie in meiner Beispielrede „Ohne Wolle kein Wollen“ weiter unten hier auf dieser Seite.

Unsere Wunschreaktion als Vortragende*R ebenso wie als Zuhörer ist:

„Das interessiert mich, das kenne ich und gibt mir ein vertrautes Gefühl. Oh und gerade erfahre ich etwas Neues.“

Wir möchten uns abgeholt und verstanden wissen, bevor wir Neues bereitwillig aufnimmt.

3. Frage: WARUM dieses Thema? Was am Thema ist genau für diese Menschen relevant? Suchen Sie den Aufhänger für Ihr Thema, der Ihre Zielgruppe interessiert.Wenn ich zum Beispiel übers Stricken spreche, renne ich natürlich vor anderen Strickern offene Türen ein. Stressgeplagten Managern ist Stricken total egal. Aber vielleicht nicht, wenn man sich durch leise klappernde Nadeln innerhalb weniger Minuten in einen Flowmoment bringen könnte, in die dringend notwendige Kontemplation, die einen zu neuen Ideen beflügelt.

Sobald Sie diese drei essentiellen Fragen für sich geklärt haben, können Sie mit klassisch einsteigen mit Begrüssung, Namen nennen und Thema mit Zielgruppenbezug vorstellen.

Einleitung:

„Guten Tag, meine Damen und Herren, ich bin Nerissa Rothhardt und begeisterte Schalproduzentin.“

Kann man machen, ist natürlich konservativ und ein bisschen langweilig, aber man ist immer auf der sicheren Seite. Gewagter ist das provokante Statement, der Slogan gefolgt von einer zehnsekündigen Wirkungspause mit intensivem Blickkontakt.

„Ohne Wolle kein Wollen.“ (Eingekauftes Vortragsthema könnte Mitarbeitermotivation sein, der Phantasie sind beim Erfinden des Statements keine Grenzen gesetzt.)

10 Sekunden Pause

„Mein Name ist Nerissa Rothhardt und Sie sind Führungskräfte mit Mitarbeiterverantwortung. Sie brauchen motivierte  fokussierte Mitarbeiter mit Eigeninitiative und es ist IHRE Aufgabe, Ihre Mitarbeiter in diesen Zustand zu versetzen. Ich freue mich, aus Ihnen in 10 Minuten ebenfalls begeisterte Stricker zu machen. Bevor Sie mich gleich von den Männern in den weissen Anzügen abholen lassen, eröffne ich Ihnen die Vorteile von Wolle und Stricknadel für Sie und Ihr Unternehmen.“

Je abgefahrener Ihr Slogan, umso öfter werden Sie Ihren Namen nach dem Vortrag an den Stehtischen hören.

Die kreierte Fallhöhe verpflichtet Sie zu einem weiterhin knackigen Text, pointiert vorgetragen mit Wirkungspausen und Staupausen, mit Blicken bis in die letzte Reihe, vielleicht sogar mit der einen oder anderen Frage gewürzt und einer interessanten Sprachmelodie. Diese rhetorischen Finessen durchziehen den gesamten Vortrag, die gesamte Rede, wem wir jetzt zum Hauptteil kommen:

  1. Argument
  2. Argument
  3. Argument

„Um effektiv zu arbeiten, brauchen Sie neben fachlicher Kompetenz hundertprozentige Konzentration um auf den Punkt abzuliefern. Wie schafft man das? Durch Kraft, Durchhaltevermögen und innere Ruhe. Wie erhält man diese drei Fähigkeiten? Meditation, Krafttraining, Ausdauertraining, Bogenschießen. Können Sie das auf der Arbeit bewerkstelligen? Nein. Ist eine dieser Tätigkeiten für Ihre Mitarbeiter realistisch umsetzbar? Vielleicht Meditation, aber die Vorzüge dessen muss Ihnen dann eine andere Expertin darlegen. Ich bin die Strickexpertin und ich brenne für die Vorzüge des Kurz-Strickens als effektive Kurzunterbrechung. Denn anders als beim Meditieren halten Sie später auch noch ein selbstgeschaffenes Produkt in den Händen! Mit eigenen Händen haben Sie einen nützlichen und ästhetisch ansprechenden Gegenstand geschaffen, der sogar als Geschenk dienen kann. Sie können überall ohne Aufwand bewusst zur Ruhe finden und Kraft schöpfen. 

Sinn, Ort, Aufwand und Umsetzbarkeit habe ich Ihnen nun aufgezeigt.

Zweitens: der kreative Faktor. Es gibt leichte Muster und schwere. Man ist geistig gefordert, bis zu welchem Grad bestimmt jeder selbst. Je besser Sie werden, umso mehr trauen Sie sich zu. Kommt Ihnen das nicht bekannt vor? Eben. 

Drittens: Der Kostenfaktor. Last but not least ist Stricken um wieviel preiswerter als andere Teambuilding-Maßnahmen? Na bitte. Es ist preiswert und man kommt ins Gespräch, man tauscht sich aus und gibt Erfahrungen zum Beispiel mit Strickmustern weiter. Das ist Teambuilding IM Unternehmen.

Nun nennen Sie mir bitte EINEN Faktor, der dagegen spricht.“

Der Schluss ist das Fazit, die Handlungsaufforderung, der Appell. An dieser Stelle macht sich der Slogan auch wieder gut.

„Ohne Wolle kein Wollen. Greifen Sie zum Strickzeug und betreten Sie Ihre nächste Stufe auf Ihrer ganz persönlichen Erfolgstreppe.“

PS: Stricken ist ok, diese Rede war natürlich nur eine Spielerei.