Die erste Peer-Group

Die amerikanische Professorin für Linguistik Deborah Tannen beschäftigt sich vor allem mit dem Umgang der Sprache in Alltagssituationen. Frauen reden anders als Männer – das haben wir alle schon gemerkt. Mädchen und Jungs entwickeln bereits im Kindesalter ganz eigene, sehr verschiedene Kommunikationsstrategien. Beide funktionieren, mit einem wesentlichen Unterschied: Mädchen interessieren sich für die Thematik Beziehungen pflegen und gestalten, Jungs für die Thematik Status im Rudel, sprich Büro oder Fussballmannschaft. Mädchen verwenden Sprache, um auszuhandeln, wie nahe sie einander sind. Von Kindheit an lernen die meisten Mädchen, dass sie sich bei anderen Mädchen unbeliebt machen, wenn sie zu selbstsicher auftreten. Pippi Langstrumpf gibt es nur im Fernsehen. Eine Mädchenclicque wird das Mädchen ausschließen, die ihr eigenes Ding macht, die sich dem Gruppenzwang NICHT unterwirft. “Sie meint wohl, sie ist was Besonderes.”wird dann hinter ihrem Rücken geflüstert. Frauen treiben einander durch totale Ausgrenzung in den Selbstmord, Männer sich selbst in den Herzinfarkt – höher, schneller, weiter, teurer. Jungen spielen ganz andere Spiele als Mädchen. In einer Gruppe von Jungs kann es einen oder mehrere Anführer geben, die den Rangniederen sagen, was sie zu tun haben. Jungen benutzen das Sprechen zum Aushandeln des eigenen Status innerhalb des Rudels. Zum Festlegen der Hackordnung. Sprache klingt hier so:

“Ok Leute – hört mal her. Wir spielen Indianer. Ich bin Winnetou!”

“Aber ich will Winnetou sein..na gut, bin ich eben Old Shatterhand..”

“Nein, du bist Tante Droll.”

Frauen streben speziell im Gespräch eher einen win-win an und geben sich mit einem loose-win zufrieden, um des lieben Friedens willen.