Zuhörer beglücken

Rote Zuhörer wollen Schnelligkeit, Dynamik, Überblick, Überschriften.

Grüne Zuhörer wollen den menschlichen Faktor. Anekdoten, Zitate, emotional starke Redner machen diesen Zuhörertyp glücklich.

Blaue Zuhörer wollen Fakten.

Wie beglücken Sie Ihr Publikum noch?

Indem Sie jeden Einzelnen wahrnehmen, das wäre der Knaller. Binden Sie sie ein, lassen Sie Frage zu, lassen Sie sie etwas machen. Nicht nur beschallen.

In einfachen Sätzen sprechen statt Schachtelsätzen. Am besten in Bildern. Ein Bild sagt mehr als 1000 Wörter. Schauen Sie hin. Blickkontakt. Stellen Sie Praxisbezüge zum Alltag her, seien Sie relevant. Und! Seien Sie witzig, nehmen Sie sich an Beispiel an Stephen Colbert.

Wie halte ich eine wunderschöne Hochzeitsrede?

Sie bereiten die Rede in Ruhe vor:

Sie sammeln Material – Daten, Fakten, Zahlen, Zitate, Anekdoten.

Sie treffen eine Auswahl.

Bei der Hochzeitsrede ist natürlich das Kennenlernen und der Antrag das Berührendste. Unwichtiges schmeissen Sie raus.

Sie entwickeln eine Dramaturgie, eine in sich stimmige Reihenfolge.

Chronologisch von Gestern nach Heute oder von Heute nach Gestern

oder Sie sprechen erst über sie, dann über ihn.

Redenschreiber, Internet oder Bücher können Ihnen dabei helfen.

Sie haben eine Auswahl an bunten Informationen in einer nachvollziehbaren Reihenfolge, also einen schönen Redentext.

Und jetzt?

Sie üben Ihre Rede.

Vor dem Spiegel, vor dem Nachbarn, vor dem Hund.

Sie merken, welche Worte passen und welche nicht.

Statt: “Mensch, hier, der Paul, ne, ist ja nicht mehr der Allerjüngste, naja stolze 40 Lenze, haha, hat sich also endlich entschlossen zu heiraten.”

Uurrgghh

Noch schlimmer:

“Hat also der Paul-und die Paula auch – ham die also noch einen abgekriegt – das hätten wir ja nie gedacht.”

Wer braucht da noch Feinde?

Elegant und wertschätzend formuliert:

“Nicht Hals über Kopf, sondern mit Lebensweisheit, mit Bedacht und Sorgfalt-gelassen und besonnen – hast Du Paul, habt ihr beide, Paul und Paula – die richtige Wahl füreinander getroffen.”

Die Hochzeitsrede ist fertig, Sie haben den richtigen Ton getroffen – es gibt spannende Momente, Informatives und unterhaltsame, geschmackvolle Anekdoten. Alles fertig. Oder?

Der Hochzeitstag ist da, es ist soweit, Sie dürfen ran! 200 Gäste, 200 Augenpaare. Schweissausbrüche? Klar. Trotzdem:

Schütteln Sie zur Begrüssung viele Hände, lächeln Sie dabei wie ein Honigkuchenpferd, lernen Sie möglichst viele Anwesende kennen.

Sie betreten die Bühne – langsam! Sie lassen die Blicke schweifen und zählen dabei Einundzwanzig Zweiundzwanzig und lächeln 🙂

alles nette Leute!

200 Augenpaare sehen Sie erwartungsvoll an. Sie lächeln zurück, denken: “Da sitzt Herr Meier, aha, da Frau Müller, da die Dame in grün. Wie nett.”

JA! GENAU. Sie denken: “Wie nett.”

Ok?? Sonst funktioniert das nicht!

Wenn Sie jetzt denken, “O Gott o Gott!”, dann gucken Sie böse und Keiner weiss, warum.

Jetzt sprechen Sie, eher zu langsam als zu schnell. Das Brautpaar sprechen und gucken Sie sowieso an, daran denken Sie ja natürlich sowieso.

Viel Erfolg!

 

 

 

 

 

 

Hand aufs Herz – wem hören Sie wirklich gerne zu?

Gemeinerweise hören wir Menschen ja besonders den Menschen gerne zu, die es uns leicht machen ihnen zuzuhören, indem sie genau das aussprechen, was wir bereits wissen. Indem sie unseren geheimsten Wünschen Raum geben. Der Wunsch nach Sicherheit, Schutz und Orientierung zum Beispiel ist uns allen gemeinsam. Zwar in unterschiedlicher Ausprägung, aber wir alle brauchen ein gewisses Maß an Verlässlichkeit.

Genauso verhält es sich mit Freundschaft/Partnerschaft, denn ganz ohne Bezug zu anderen kann der Mensch nicht sein.

Drittens Selbstverwirklichung, persönliche Freiheit, Entfaltung, Selbstverwirklichung und Anerkennung. Zwar kennen wir unsere tiefsten Wünsche meistens selbst ganz gut, aber nicht immer ist uns klar, dass es mehr als einen Weg gibt, sie zu erfüllen.

Ja, es gibt win-win-Lösungen. Vielleicht sind das keine schnellen Lösungen. Aber ein Kompromiss ist immer ein win-lose. Und das muss man wirklich wollen, das dürfen wir niemanden mit den Worten “Du musst eben kompromissbereit sein.” aufzwingen. Niemand muss sich mit einem Verlust, einer Nichtwürdigung seines Herzenswunsches nach Sicherheit, Entfaltung oder Selbstverwirklichung gezwungenermassen zufrieden geben. Das geht nur freiwillig.

Es gibt immer Wege, alle auf ihre Kosten kommen zu lassen. Nämlich im Einklang mit anderen Beteiligten Personen, die ja auch Menschen mit denselben Bedürfnissen sind. Ein Konflikt entsteht immer nur dann, wenn die Interessen einer Seite nicht berücksichtigt werden. Die Geschichte ist voll mit der Revolutionen Unterdrückter. Machtergreifungen dadurch erst möglich gemacht. Die Macht der Unterdrückten. Endlich steht dort oben jemand und predigt für uns.

Die allerwenigsten Machtergreifer nutzen dieses älteste aller Manipulationsinstrumente “Du sprichst mir aus der Seele!” zum Wohle der Weltgemeinschaft. Manipulation ist allgegenwärtig, Macht kann GEnutzt oder BEnutzt werden. Und viel zu oft wird sie missbraucht.

Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten

Malen Sie sich das Schlimmste aus, das passieren kann.

Sie stolpern auf offener Bühne. Sie kriegen einen Lachanfall. In der ersten Reihe schläft jemand. Jemand in der zweiten Reihe horcht an seiner Uhr. Sie haben einen Frosch im Hals. Sie haben die Moderationskarten durcheinander gebracht. Sie haben die Karten zuhause vergessen. Sie haben die Karten auf den Boden geschmissen. Die Technik funktioniert nicht. Sie haben einen Schluckauf. Die Hose steht offen. Rote Flecken im Gesicht. Schweissflecken unter den Armen.

Davon wird Ihnen sicher etwas widerfahren. ETWAS! Nicht ALLES auf einmal.

Vertrauen Sie darauf, dass Ihre Zuhörer auch “nur” Menschen sind und Ihnen verzeihen werden.

Was ausser blindem Vertrauen könnte Sie noch stärken?

Wenn Sie sich in den Worten Erst verstehen, dann verstanden werden
 in Ihrer kommunikativen Grundeinstellung wiederfinden, dann haben Sie doch eigentlich schon gewonnen. Wenn wir mit der Absicht zuhören, andere zu verstehen, statt mit der Absicht zu antworten, selbst zu reden, dann beginnen wir mit wirklicher Kommunikation und dem wahren Aufbau von Beziehungen. Auch im Monolog des Vortrags. Dann gibt es mehr Chancen, offen zu sprechen und verstanden zu werden. Verstehen zu wollen erfordert Rücksicht; verstanden werden zu wollen verlangt Mut.

Dritte stärkende Idee: Glaubenssätze

Zum Beispiel Bachblüte Nr. 7 Chestnut Bud Ich sehe sehr wachsam in diese Welt. Ich lerne.

Bachblüte Nr. 33 Walnut Ich glaube an mich. Ich finde und gehe meinen Weg. Zuversicht und Sicherheit sind meine Stärken.

Im Übrigen: Wer Schwächen und Lücken nicht verzeihen kann, sondern sich daran auch noch berauscht – der soll`s doch bitte erstens besser machen und zweitens dringend Nachhilfe in Grossherzigkeit nehmen. Und ansonsten zuhause bleiben. Bei Ihren vergessenen Karten. Oder woanders.

Der Fünf-Satz

hat sich bereits in der griechischen Antike bewährt.

Einleitung-Hauptteil-Schluss

Kein Hexenwerk.

Drei Fragen stellen Sie sich idealerweise vor Ihren Ausführungen:

WARUM ich? Meine Expertise, mein Hintergrund, mein grosses Interesse am Thema, meine innere Bewegtheit, mein Mitteilungsbedürfnis und letztendlich: Meine Botschaft.

Damit sind zwei sehr wichtige Dinge auch gleich geklärt, nämlich pathos und ethos.

Pathos kennen wir von pathetisch, in ähnlicher Bedeutung wie kitschig. Dahin kann es im Vortrag gehen, ja klar, aber die Gefahr des Kitsches, einer Überfülle an unpassenden Gefühlen gehen wir leichten Herzens ein, gewinnen wir doch sonst keinen Blumentopf.

DENN: Wenn wir selbst hörbar gelangweilt von unserem Thema sprechen, fragen sich alle: Wozu stiehlst du mir da vorne gerade meine kostbare Zeit?

Pathos will Gefühle beim Zuhörer erzeugen, um eine Herzensangelegenheit durchzusetzen, dazu dürfen wir sie erst einmal selbst fühlen und zeigen.

Ethos vermittelt unsere Werte, wofür wir stehen, unsere Ecken und Kanten.

Wer hat nochmal gesprochen? Ich kann mich nicht mehr erinnern”

Albtraum – diese Reaktion auf unseren Auftritt wollen wir natürlich nicht!

WARUM euch? Wer seid ihr? Erzieher? Lehrer? Geschäftsführer? Wissenschaftler? Natürlich wollen alle Menschen in erster Linie unterhalten werden, in zweiter Linie auch und erst zuletzt auch informiert. Infotainment ist also die leichteste Lernform. Eben Lernen mit Spaß, Abwechslung fürs Gehirn. Irgendwie ein alter Hut, nur selten in die Tat umgesetzt.

Trotz dieses allgemein gültigen menschlichen Bedürfnisses nach gehirngerechtem Lernen, können wir doch auf das jeweilige Publikum passgenau eingehen. Passende Beispiele, Fremdwörter, Dialekt sind Beispiele dafür, wie wir aus einer Masse Publikum interessiert mitdenkende Menschen machen können.

Übrigens – ist das Manipulation?

Ja natürlich. Handhabung ist das deutsche Wort für das böse M-Wort. Und geschieht sie im Sinne meiner Zuhörer? Ja, das will ich meinen. Und das finde ich legitim.

WARUM dieses Thema? Was am Thema ist genau für diese Menschen relevant? Wenn ich zum Beispiel übers Stricken spreche, renne ich natürlich vor anderen Strickern offene Türen ein. Stricken ist stressgeplagten Managern total egal. Aber nicht, wenn sie sich durch leise klappernde Nadeln innerhalb weniger Minuten in einen Flowmoment bringen können, in eine Kontemplation. Das garantiert noch nichts, aber wenigstens wird Ihnen ernsthaft zugehört. Suchen Sie also den Aufhänger für Ihr Thema, der Ihre Zielgruppe interessiert.