Körpersprache-Folge 8 Die Signale der Mächtigen

„Kind, schling nicht so hastig. Und die Ellenbogen gehören auf den Tisch! Führ die Gabel zum Mund, nicht umgekehrt.“ Mit diesen Befehlen sind wir gross geworden. Das hat genervt und genützt. Denn wer schlingt, bewegt sich hastig-kein Zeichen von Macht, sondern von Unterwürfigkeit. Wer die Ellenbogen eng an den Oberkörper presst, nimmt wenig Raum ein-kein Zeichen von Macht, sondern von Unterwürfigkeit. Und wer den Kopf viel bewegt anstatt ihn ruhig zu halten, zeigt zumindest körpersprachlich auch mehr von einem Dienstboten als von einem König.

Je langsamer der Körper sich bewegt, umso mächtiger der Mensch. 

Je raumgreifender die Gesten, umso höher der soziale Status.

Das geht auch im Sitzen. Man streckt sich oder drapiert einen Arm auf die Lehne des Nachbarstuhls. Mächtige Menschen zeigen wenig Anzeichen von Stress-keine Beruhigungsgesten, kein Kratzen im Gesicht, kein Drehen am Ring-der Körper bleibt gelassen. Übrigens ein guter Merksatz für die nächste Schlagfertigkeitsattacke: Schnelles Zurückbeissen, auch verbal, hat was von einem beleidigten Terrier. Cool ist einfach cooler.

„Ich kann also an den Händen erkennen, wer im Saal die Macht hat und wer nicht?“ 

Ja, zumindest, wer sich mächtig fühlt. Sind im Saal nur Vorstandschefs und Führungskräfte ein und derselben Firma, sieht man nach kurzer Zeit, wer die Hosen anhat und wer vielleicht nicht so dick auftragen sollte, wenn er seinen Job noch behalten will.

Denn Dominanzsignale werden von allen Menschen wahrgenommen. Wie kommt das? Der Mensch ist und bleibt ein Neandertaler. Fast 2 Millionen Jahre stecken in unseren Genen. Die 1200 Jahre deutsche Sprache sind doch ein Witz dagegen, oder?

Körpersprache-Folge 7 Dominanzsignale

„Jetzt mach dich mal hier nicht so breit!“ „Genau! Und red nicht so laut.“ 

„Und lach nicht so laut.“ 

„Bleib mal hübsch bescheiden.“ 

Bescheiden ist nicht hübsch. Bescheiden ist kontraproduktiv für die eigene Entfaltung. Aber genau darum geht es im Leben: Wer nimmt sich Raum und Zeit? Wer überzeugt die Kunden, die Kollegen, die Vorgesetzten, die Mitarbeiter von Ideen und Produkten? Derjenige, der sich bescheiden im Hintergrund hält? Oder der sich exponiert und damit ein Risiko eingeht? Neid muss man sich erarbeiten, Mitleid bekommt man geschenkt. Und genauso sieht auch der körperliche Gestus aus. Je höher die Position eines Menschen, desto geringer sein mimisches Ausdrucksspektrum. Die Mimik eines Machtmenschen ist so ruhig wie ein Pokerface. So unbewegt wie der Maschsee bei Windstille.

„Höhle der Löwen.., da muss ich gerade dran denken.“

Es gehört schon einiges an Standing dazu, mit so einem Gesprächspartner gelassen umzugehen. Eine unbewegte Mimik und eine sparsame Gestik bedeuten ja nicht zwangsläufig Arroganz. Die Arroganz sagt: „Ich finde mich gut, dich aber nicht.“ Und automatisch zieht sich eine Augenbraue und ein Nasenflügel nach oben-Ekel und Verachtung. Das Selbstbewusstsein sagt: „Ich find mich gut, dich auch.“ Lächeln, Lachfalten-Augenringmuskeln kontrahieren beidseits.

Körpersprache-Folge 6 Verlegenheitsgesten

„Nessi, was ist das denn für ein Thema? Verlegenheitsgesten-wozu soll das denn gut sein? Hä??“

„Matthias, was denkst du?“

„Ich? äähh.. ich weiss nicht…“

Wenn wir genau hinsehen, erkennen wir in Sekundenschnelle in Matthias Gesicht die schreckgeweiteten Augen und die hochgezogenen Augenbrauen-was natürlich muskulär EIN Vorgang ist, denn der Augenheber dient ja dazu, die Augen schnell und ruckhaft zu öffnen. Diesen Gesichtsausdruck kennen wir von der Überraschung und vom Schreck. Wobei sich nach den ersten Millisekunden erweisen muss, obs ein guter Schreck mit einer tollen Geburtstagsüberraschung ist oder ein schrecklicher Schreck mit Lebensgefahr. Häufig folgt nach Beurteilen der Situation bei Erleichterung der Griff ins Gesicht, an die Stirn oder das Streichen über den Kopf bis zum Nacken. Aber das ist nicht nur Erleichterung, sondern auch ein kleines bißchen Verlegenheit darüber, sich lächerlich gemacht zu haben. Die Situation war doch gar nicht so schlimm und man ist drauf reingefallen. Peinlich. Eine sehr berühmte Handhaltung ist die Beckerfaust. Sie zeigt auch Erleichterung-aber nicht nach einem Schreck, sondern nach einer grossen inneren Anspannung und einer hohen Konzentration. Die Beckerfaust ist das eindeutige Zeichen für Triumph, auch Triumph, sich selbst so gut unter Kontrolle gehalten zu haben. Die Hand, die das Gesicht berührt, deutet also auf Verlegenheit hin. Der Griff ans Ohrläppchen-bitte nicht INS Ohr-ist dafür typisch, das Streichen über den Kopf, das Befummeln der anderen Hand, das Drehen am Ring oder an der Armbanduhr.

Diese Selbstberührung dient der Selbstberuhigung, der Rückversicherung und der eigenen Erdung: „Bin ich noch da? Kann ich mich noch fühlen?“ Aber wie immer, wenn wir reden, redet auch der Körper nicht immer eindeutig. Die Hand vor dem Mund-die Denkerpose- oder das eben erwähnte Drehen am Ring kann auch bedeuten:

„Ich halte mich zurück und sage jetzt besser nicht, was ich denke.“

Körpersprache-Folge 4 Powergesten

Hände können soviel: Zupacken, sich an einer Felswand hochziehen, Babys streicheln, Hunde streicheln, Putzen-besonders kleine Hände kommen prima in die Ecken-Malen, Bildhauern. Pantomimen erzählen mit ihren Händen ganze Geschichten. Hände wehren ab-

„Nein, ich bin nicht Ihrer Meinung..“

Laden wieder ein-

„…kann aber Ihrer Argumentation gut folgen..“

demonstrieren Gemeinsamkeit-

„..und denke, wir beide könnten zusammen win-win-Lösungen finden.“

und ergreifen Chancen-

„Wenn auch Sie bereit sind, meinen Ausführungen zu folgen.“

Handflächen nach unten, Finger gespreizt demonstrieren Abwehr, Handfläche nach oben laden ein oder ergreifen-je nach Krümmungsgrad der Finger.

Handflächen nach innen, zum eigenen Körper gerichtet, sind bereit, ein Holzbrett zu durchschlagen oder symbolisch, Probleme und wirre Gedanken.

Sind die Finger dabei geschlossen, zeigen sie Konsequenz an, gespreizte Finger zeigen den Grad der Emotionalität an.

Gleichzeitig gestikulierende Hände verstärken, wie ein Lautsprecher, diese Emotionen.

10 gespreizte Finger-Handflächen nach innen-deuten auf eine hohe Emotionalität hin,

2 geschlossene Handflächen – grenzen uns von den anderen Menschen ab. Geisteshaltung spiegelt Körperhaltung. Instinktiv erkennt unsere Umwelt, ob Inhalt und Ausdruck zusammen passen oder ob wir lügen. Im Talmud steht es so:

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.

Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.

Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.

Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.

Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Körpersprache-Folge 4 Die Sprache des Sprechens

Eurem Chef erzählt ihr wortreich und kinderleicht erklärt von einer technischen Neuerung, die einen täglichen Vorgang enorm erleichtern wird. Das benötigte Finanzvolumen ist gross, der Chef unfreundlich abgeneigt.

„Was soll das, Müller?!“

Welche eurer Antworten verschafft euch mehr Respekt?

  1. „Ja, ich habs dem Meier letztens auch schon gesagt-auf die Statik kommt es an. Nein, dazu gibt es natürlich jetzt gerade keine Berechnungen, die will ich ja durchführen und dafür brauche ich Ihre Unterstützung.“

oder

  1. „Mmmh. Welche Info fehlt noch?“

Was war gewaltiger? Natürlich Antwort 2. Ruhe. Gelassenheit. Unaufgeregtheit. Wirken stark und kompetent. Der schnelle, quicklebendige und höchst kompetente Mitarbeiter wird nie den Respekt bekommen, der ihm zusteht. Er rangiert mehr als-Wüstenmaus. Der träge, ruhige, lauernde Duktus eines halbsatten Raubtieres wird immer mehr respektiert werden.

Aber wieso ist Sprechen ein nonverbales Signal? Sprechen ist doch verbal!

Gegenfrage: Lässt sich Inhalt vom Transport trennen?

Das Was entscheidet weniger als das Wie. Sprechen spiegelt sich in der gesamten Körperspannung. Könnt ihr schnell sprechen und dazu langsam gestikulieren? Oder andersherum? Langsam sprechen und schnelle, kleine, hektische Gesten machen? Eben. Sprechtempo, Sprachmelodie, eine klare Aussprache, Betonungen und Pausen-das sind die körpersprachlichen Signale, mit denen ihr während eures Sprechens ganz klar die entscheidenden Punkte für euch herausholt.