Die Stegreif-Rede – woher kommt der Begriff?

Sie wurde ursprünglich nicht aus dem Ärmel geschüttelt, sondern in den Steigbügeln stehend vorgetragen.

Und was wurde da vorgetragen? Markige Befehle, taktische Kampfanweisungen des Oberst der Kavallerie-cavallo-italienisch, caballus – lateinisch für Pferd – an seine Kampftruppen.

Um Überblick zu gewinnen, musste der Heeresführer sich in die Steigbügel stellen.

Mitten im Kampf schwingt man dann keine langen Reden mehr, wobei die Idee, den Gegner tot zu quatschen anstatt tot zu schiessen ja was hat…

Der Dreisatz oder die Struktur der Stegreif-Rede:

 Zeitlicher Dreisatz: Gestern-Was war? Heute-Was ist? Morgen-Was soll sein?

Dialektischer Dreisatz: Erste Meinung/Zweite Meinung/ Schlussfolgerung

 Argumentativer Dreisatz: Ist-Zustand/Soll-Zustand/Wie kommt man dahin?

“Liebe Anwesende, wie schön, dass Sie hier sind und wir gemeinsam einen Grund zum Feiern haben.

Anlass ist, wie wir alle wissen, die Eröffnung unserer dritten Filiale.

Noch gestern haben wir hier eingerichtet und geschuftet bis tief in die Nacht. Es hat sich gelohnt! Heute sehen Sie das Ergebnis und ich bin sehr stolz auf meine Kollegen und auf mich auch-haha. Blicken wir mit Energie in die Zukunft! Auf eine schöne Feier! Prost!”

Das war doch leicht, oder?

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In der großen Halle des dänischen König liegt das menschenverschlingende Ungeheuer und wartet auf neue Opfer. Im Kampf tötet Beowulf zunächst Grendel mit bloßen Händen..

Der Beowulf – eines der ältesten Heldenepen Europas. Blut, Gemetzel, Schreie, Töten mit blossen Händen. Stimmgewaltig. Gewalt in der Stimme. Mächtig, erhaben, groß.

Wie klingt die Stimme eines Helden?

Dem edlen Herrscher dein Anliegen melden, und eiligst dann dir die Antwort künden, die der Gütige mir zu geben geruht.

Wem solche Worte mit Leichtigkeitüber die Lippen perlen, dessen Stimme klingt ganz sicher erhaben. Uns anderen fällt das sicher schwerer. Denn wer bitteschön quatscht denn so ein altertümliches Zeugs? Aber genau da liegt ja der Hase im Pfeffer…

Was sonst sagt man denn stimmgewaltig?

“Sehen Sie hier die Absatzzahlen der letzten drei Jahre. Auf dieser Grafik…” und so weiter..? Sicher nicht. Was nicht passt, passt eben nicht. Und muss auch nicht passend gemacht werden. Aber vielleicht träumen Sie ja insgeheim davon, einmal Ihre Stimme gewaltig zu erheben, einmal vor Tausenden Menschen zu stehen wie im Monumentaldrama “Der Herr der Ringe”. Abertausende stehen kampfesbereit. Muskulöse, schiere Kraft, wohin das Auge reicht. Ein ganzes Volk lauscht. Sie stehen gebannt, stumm, um den Worten ihres Anführers zu lauschen. Und Sie erheben Ihre Stimme. Wie ein Kaiser. Sagen etwas. Natürlich sehr Wichtiges. Alle jubeln.

Moment – was war das jetzt?

Das war Zeitraffer. Denn WIE genau sprechen sie eigentlich, diese stimmgewaltigen Anführer? Wie machen die datt-stellen wir uns mal ganz dumm und fragen:

“Wie machen Sie das bitteschön, dass man Sie ohne Mikro so prima in einem Radius von 2000 qm?”

So riesig ist keine Stimme der Welt. Wahrscheinlich nicht mal die eines total enthemmten Dinosauriers. Auf jeden Fall langsam. Gewichtig. (Der Übergang zu grössenwahnsinnig ist mit bloßem Auge nicht mehr erkennbar). Und sehr sehr kurze Sätze. Wegen Echo. Und null Hemmungen. Das alles können wir uns abgucken, wenn wir stimmgewaltig auftreten wollen. Wie in einem Heldenepos. König Arthus und die Ritter der Tafelrunde. Beowulf. Siegfried, der mit dem Drachen kämpfte. Jedes Land, jede Sprache hat seine eigenen Heldensagen.

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Wie man Verbindung herstellt ohne sich anzubiedern: Das Lächeln am Telefon

Ähnlich wie beim Radiosender lässt sich auch am Telefon Einiges an der Stimme ablesen. Der Unterschied zwischen einem Jugendsender und Klassik Radio könnte nicht grösser sein. Die Zielsetzungen-frische, gute Laune verbreiten einerseits und Beruhigung, innere Einkehr durch Zuhören auf der anderen Seite, können unterschiedlicher nicht sein. Beide drücken ihre Wertschätzung aus.  Mehr Kontrolle über die eigenen Klangfarben erspart Ihnen ungewollte und nicht kalkulierbare Reaktionen. Wie gut könnnen Sie Ihr Stimmtimbre kalkulieren? Wie klar ist Ihre Kommunikation bereits?

Machen Sie doch mal selbst den Test: Nehmen Sie sich mit Ihrem Handy auf. Lesen Sie einen Text, der in Reichweite liegt.

Runde 1: Lesen Sie laut vor und ziehen Sie bewusst die Mundwinkel nach unten, so als hätten Sie schlechte Laune.

Runde 2: Lesen Sie laut vor und bleiben Sie ganz neutral, sozusagen erwachsen, sachlich.

Ich schwöre Ihnen, Sie werden kaum einen Unterschied hören.

Es ist unglaublich, was unsere Mimik im Gespräch noch miterzählt. Wer sachlich und nicht unfreundlich (freundlich würde ja schon ein Lächeln bedeuten) spricht, klingt für uns sehende Gesprächspartner sehr eindeutig mit uns verbunden und uns zugewandt.

Sehen wir aber unseren Gesprächspartner nicht, hören wir einen fast motzigen Ton.

Zurück zu Ihrem Experiment: Würden Sie der Person aus Runde 2 vertrauen? Etwas abkaufen? Wahrscheinlich eher nicht, denn um sich eingeladen zu fühlen, brauchen wir eine hörbare Einladung. Und die produzieren Sie mit einem einfachen Trick:

Runde 3: Sie lächeln froh und heiter während des Vorlesens.

Froh und heiter! Nicht hysterisch angefixt. Das können Sie gerne in einer vierten Runde mal ausprobieren.

Das Lächeln am Telefon ist entgegen des üblichen japanischen Verbeugens, hierarchisch an den unsichtbaren Gesprächspartner angepasst, kein deutscher Brauch, kommt aber immer mehr auch bei uns an. Denn das ist es, was wir im Service brauchen: Die hörbare Aufmerksamkeit. Keine aufgesetze Freundlichkeit. Durch das Lächeln heben sich automatisch die Augenbrauen. Diese Muskelkombination lässt den weichen Gaumen heben, der Mundraum weitet sich-nicht viel, aber genug, um einen ganz anderen, frischeren, aufgeweckteren, interessierteren Eindruck zu vermitteln.

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Menschen scannen in Sekundenbruchteilen die Glaubwürdigkeit und die Souveränität eines Redners ab.

Dabei schauen wir auf alle körpersprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten. Wichtig ist daher, dass wir uns unserer Bewegungen bewusst sind. Nervosität zeigt sich in vielen kleinen Dingen. Nervosität wird uns Rednern immer verziehen – nicht aber, wenn wir keine Nähe zum Publikum eingehen wollen.

Wenn wir uns als Mensch nicht sichtbar machen wollen, wenn wir unsere Gefühle, unseren Standpunkt das Vortragsthema betreffend verborgen halten.

Durchlässigkeit und Integrität sind hier die Fähigkeiten, die stetig wachsen.

Durchlässig ist, wer sich von seinem Vortragsthema (bis zu einem geschmackvollen Grad) hinforttragen lässt, der sich begeistert und der seine Freude auch offen zeigt.

“Dann mach ich mich doch zum Affen!” höre ich dann immer wieder.

Naja. Angst ist auf der Bühne ein schlechter Berater. Wer sich nicht nackt in die Öffentlichkeit begeben möchte, hat immer die Wahl, nicht in die Sauna zu gehen. Die Wahl, eine Bühne zu betreten, haben wir jedoch nicht immer.

Auf der Bühne gilt nur und ausschliesslich Mut. Nicht Perfektion.

“Nicht gut machen – MACHEN.” sagte Peter Meinhardt, ein lieber Freund, begnadeter Lehrer und seines Zeichens Professor a. D. für Schauspiel an der Hochschule für Theater und Musik Hannover.

Für Mut und für Ihre echten, sichtbaren Stimmungen-Emotionen, wenn Sie es so nennen wollen, belohnt Sie Ihr Publikum.

Warum?

Identifikation! Eine Zuhörerschaft besteht aus Individuen. Jedes Individuum möchte am liebsten sich selbst erkennen-auch in dem Redner da vorne. Wir Zuhörer möchten auf die Reise mitgenommen werden und nicht permanent mit den Unzulänglichkeiten der Nervosität konfrontiert werden.

Schlussgedanke:

Wer sich für seinen Applaus nicht angemessen bedankt, ohrfeigt das Publikum.

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Stehen Sie während des Vortrags oder tigern Sie umher?

Die zentrale Frage lautet im Grunde: Trippeln Sie Nervosität ab oder haben Sie tatsächlich ein Ziel, auf das Sie zugehen? Wichtig selbstredend, dass dieses Ziel nicht das Mauseloch in der hinteren Bühnenwand ist.

Alles Kleine, Fahrige, Unbeholfene wirkt auf Beobachter unsicher. Auf die erste zentrale Frage beim Kenennlernen “Ist der Mensch da vor mir gefährlich oder harmlos?” ist die Antwort dann ersichtlich. Für ein erstes Date mag das ja auch dem weiteren Fortgang zuträglich sein – für die Repräsentation zündender oder auch investigativer Ideen sicher nicht.

Übrigens lautet die zweite Frage beim ersten Abscannen:

“Ist dieser Mensch nützlich für mich?”, womit Kleidung, Statussymbole, Körperstatus und der damit verbundene Einfluss antizipert werden.

Der dritte interessante Aspekt kann sich dann aus dem zweiten ergeben: “Taugt dieser Mensch zum Arterhalt?” – mal unsalopp formuliert.

Worauf muss ein guter Coach in der Videoauswertung schauen?

Folgende Kriterien sind beachtenswert:

Bewegungen: in Körper, Körperspannung, Rotationsebenen, Füssen, Hände, Kopf

Ausdrucksstark oder unbestimmt kraftlos? Spannung oder Schlaffheit?

Wo steckt die Power-wo fehlt sie noch?

Konkret: Gang, Fußstellung, Haltung und Gewichtsverlagerung, Gesten, Fingereinsatz, Gesichtshälften

Inhalt der Rede: Versprecher-Herkunft und Abtrainieren, Stimme-Klang, Atem, Reichweite, Sonorität, Sprechtempo, Sprachmelodie

Struktur der Rede

Umgang mit Widerstand/Umgang mit Lob und Applaus

 Das Zusammenspiel all dieser Kriterien-die Wichtigste erscheint im nächsten newsletter-ergibt eine Momentaufnahme, an der gearbeitet werden kann.

Erwarten Sie nicht von Ihnen eine irgendwie geartete “perfekte” Redeweise.

Lassen Sie uns IHRE herauskristallisieren!

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